Domaine Rolet Vin de Paille 2008

…und Casanova hatte immer eine Flasche dabei…….

Ein Strohwein aus dem Jura, abgefüllt in einer filigranen 0,375 l – Flasche, um die € 31,00 (neuere Jahrgänge – und das ist dann der 2009er (sic!), um die € 24,00 ab Weingut)

„…und Casanova hatte immer eine Flasche dabei…“ verrät mir Francois flüsternd bei einer Weinprobe in Frankreich, deren krönender Abschuss dieser bernsteinfarbene Verführer aus Arbois ist. Francois schaut sich um, will ungebetene Mithörer weit genug entfernt wissen, winkt mich noch näher zu sich heran – wir sind seit rund 20 Minuten die besten Männerfreunde, nichts auf der Welt kann uns mehr trennen – und fügt verschwörerisch und leider auch mit einem typisch männlichem etwas dumpfbackig-geiferndem Gesichtsausdruck hinzu „funktioniert immer….compris?!“ Zum Glück vergisst Francois nach dem diesen Worten folgenden Zwinkern die Augen wieder zu öffnen und schläft weinselig am Probentisch ein……

Ja, natürlich habe ich verstanden, auch wenn ich mir die Geschichte mit Casanova nicht so recht vorstellen kann, weil das Weingut der Familie Rolet erst gegen Ende des Zweiten Weltkrieges gegründet worden ist, aber wie immer ist es der Gedanke, der hinter den Geschichten steht und letztendlich zählt.

Dieser Wein ist eine Geheimwaffe, die Ultima Ratio unter den Weinen, wenn der nicht hilft, dann keiner mehr!

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Bodegas Telmo Rodriguez Vina 105 aus dem Jahr 2009 – Kellershots

Kellershots ? Ein Bild, ein Wein, ausnahmsweise keine langen Worte:

Bodegas Telmo Rodriguez, Vina 105 aus dem Jahr 2009

Aktuelle Jahrgänge € 7,50

Eines der Projekte des umtriebigen Telmo Rodriguez, der in verschiedenen spanischen Regionen Weine mit typisch regionalem Ausdruck hervorgebracht hat. Dieser Wein aus Cigales, der D.O. Kastilien und León, fällt ursprünglich in die Sturm und Drangphase von Rodriguez, in der es um die finanziellen Mittel noch karg bestellt war. So sollte ein günstiger Wein entstehen, nur im Stahlfass ausgebaut, schnell trinkfähig, schnell vermarktbar, der die getätigten Investitionen bald zurückbringen sollte. Das gelang offenbar, aber auch Rodriguez Anspruch qualitativ hochwertige, regional authentische Weine zu produzieren erfüllte sich.

Der Vina 105 überzeugt, jung getrunken, durch seine frische, lebhafte Fruchtigkeit, ein ganz angenehmer, entspannter Zeitgenosse, zunächst prima zu einer Brotzeit und guten Gesprächen, die der Wein nicht unterbricht, kein sonderlich langer Abgang, alles gut, aber nicht vordergründig. Eher ein Begleiter, der sich im Hintergrund wohlfühlt und gut passt, aber nicht viel mehr. Dann taucht aber unter dieser Fruchtbombe noch so einiges auf, eine leichte Rauchigkeit, Torf, Erde, eine markante, sehr eigenständige Würze und schließlich an Portwein erinnernde Lakritztöne.

So etwas macht neugierig und ich entschloss mich den Wein ein paar Jahre im Keller zu vergessen.

Die Entwicklung ist bemerkenswert. Nach 5 Jahren stehen die Portweinnoten mit ganz viel Lakritz viel stärker im Vordergrund und haben die Fruchttöne so eingebunden, dass trotz viel mehr Schwere immer noch ein frischer Wein vor mir steht. Unglaublich ist die Entwicklung des Abgangs, der intensiv ist und lange anhält, schöne Alterungsnoten mit einer elegant würzigen Süße. Da ist einer erwachsen geworden, der dazu vielleicht gar nicht gedacht war. So etwas zu entdecken und zu erleben ist für einen Weinliebhaber ein besonderes Geschenk. Allerdings ist das mit den guten Gesprächen zu diesem Wein jetzt schwieriger geworden. Ständig plappert er dazwischen, mischt sich ein und zieht Aufmerksamkeit auf sich. Aber gut, damit komme ich klar…..

Château Laforge 2001 Saint-Emilion Grand Cru – Kellershots

Kellershots ? Ein Bild, ein Wein, ausnahmsweise keine langen Worte:

Château Laforge 2001 Saint-Emilion Grand Cru

knapp unter € 40,00

The Dark Side of the Moon

Im Glas ein tiefes Schwarz.

…und könnte man es riechen und schmecken, wäre auch in der Nase und am Gaumen ein tiefes Schwarz, würde übergreifen auf dein Herz, Deine Seele, würde Dich hinabziehen in ein dunkles Meer vergessener Erinnerungen….to die, to sleep, no more…..

 

Stattdessen in der Nase Brombeere, starker, dunkler Tabak, Rauch, Tee, etwas Eukalyptus und alles pulsiert wie es sich in Pink Floyds Musik wiederfindet. Der Wein hat eine unglaubliche, animalische Kraft, zieht in seinen Bann, wie Wölfe, die den Mond anheulen. Der anschwellende Heartbeat füllt aus, am Gaumen wieder Brombeere, ganz dunkle Kirsche, viel Rauch, Kräuter und endlose Stärke, fast beängstigende Präsenz und das mit extrem weich wirkenden Tanninen. Das ist keiner der spielt oder changiert, das ist einer der einfach nur klotzt. Zwischen den Schlieren der Nacht, die sich geisterhaft um den Vollmond winden, tauchen zum Geheul der Wölfe Schemen auf, die nicht in unsere Welt gehören. Fremd und mächtig und zwischen den Welten.

 

Ganz großes, spannendes, aber auch anstrengendes Kino! Stoff aus dem Helden sind.

 

…aber, wir trinken ja nicht zum Spaß……!

 

Blauer Spätburgunder 2010 Weingut Knipser – Kellershots

Kellershots ? Ein Bild, ein Wein, ausnahmsweise keine langen Worte:

Blauer Spätburgunder 2010 vom Weingut Knipser aus der Pfalz,

Best Ager, vor 5 Jahren für schlappe € 10,30 in den Keller gelockt

Gebildet, schöngeistig, feinfühlig, etwas penibel, vielleicht schwul, aber das steht nicht im Vordergrund. Ein ganz weicher, einschmeichelnder, tiefgründiger, immer sanfter und doch gradliniger Plauderer, dem man gerne einen Abend widmet. In der Nase feine Kirschen, Himbeere, gekaute Gummibärchen und auch etwas Eukalyptus. Am Gaumen und im endlosen Nachhall Erdbeere, Vollmilchschokolade und Nougat, aber alles subtil und schmeichelhaft. Ein frisches, aber eingängig, tiefgreifendes Mundgefühl, extrem angenehm, ohne zu belasten, oder umzuhauen, es ist einfach ganz natürlich, dass er da ist. Eine irre Kombination, die nie protzt, sich aber stetig breiter macht.

Ein einfacher „Qualitätswein“……., riesig und faszinierend interessant, der langsam seine feingliedrige Hand ausstreckt und ….. plötzlich mach ich mir doch Gedanken….