Wein und Musik gehen gut zusammen.
Beides kann Genuss und Emotion bedeuten (Wein bedeutet für mich immer Emotion, positiv, wie negativ, bei Musik bin ich nicht ganz so fanatisch, über akustische Plörre kann ich relativ entspannt hinwegsehen, über olfaktorische und gustatorische Beleidigungen nicht….)
Da der Künstler an sich weder der Emotion, noch dem Genuss und oft auch dem Alkohol nicht abgeneigt ist, verwundert es auch nicht, dass die Anzahl der Lieder in denen Wein eine Rolle spielt recht hoch ist.
Man merkt es schon, hier läuft es jetzt auf eine Liste hinaus, die ich hiermit einleitend vorbereitet habe.
Ich liebe Listen.
Listen machen frei.
Listen wirken so ordentlich und aufgeräumt – das beruhigt und erscheint ungemein souverän.
Der Ersteller von Listen hat augenscheinlich alles im Griff, bringt Inhalte in eine Form, strukturiert, gibt den Rahmen vor, ist eindeutig der Boss. Master of the Universe. Daher sind Listen auch besonders in kaufmännisch geprägten Studiengängen beliebt (ups, böse, das führt hier jetzt vielleicht zu weit).
Bevor allerdings nachstehend meine Lieblingsweinlieder sauber sortiert und uniform in eine feste Marschaufstellung nach Rang und Namen gepresst und so gelistet sind, noch eine kleine Abschweifung.
Eine Hommage an einen der hier unbedingt Erwähnung finden muss, einen, bei dem es Anstand, Wertschätzung und Freidenkergeist aber verbieten, ihn in die Gleichförmigkeit einer Liste zu zwingen.
Gemeint ist Reinhard Mey, der sich in seinen Liedern um den Wein, insbesondere um den Riesling, sehr verdient gemacht hat. Immer wieder findet man in seinen Werken diese kleinen, liebevollen Hinweise, die für mich auf einen großen Genießer hindeuten.
„Meine Lieder, die klingen nach Wein
Und meine Stimme nach Rauch
Mag mein Name nicht Orpheus sein
Mein Name, gefällt mir auch…“
Am besten gefällt mir sein Glaubensbekenntnis in „Ich glaube nicht“, die beinahe Apotheose eines Weines, mit dem er den lieben Herrgott auf seiner Gartenbank trifft:
„Neben mir auf der Bank vor meiner Gartenlaube
Bei einer Flasche Deidesheimer Herrgottsacker Riesling,
Spätlese trocken,
ja ich glaube!“.
Das ist großes Kino in kleinen Worten!
Oder ganz stark auch sein Lied „Alter Freund“:
„Wein, Wein, Wein, alter Freund Wein
In hellen wie in dunklen Stunden
Haben wir zwei uns gefunden
…
Du weckst ja nur was in uns steckt
Und wen der Wein zum Schwein erweckt
Der war gewiss auch nüchtern schon ein Schwein..“
Dafür liebe ich ihn.
Als ich das nächste Lied zum ersten Mal hörte lief ein innerer Film vor mir ab, ein Albtraum, aber bei Tage, im anscheinenden Vollbesitz meiner geistigen Kräfte (hier gibt es leider auch den einen oder anderen Kritiker), Angstschweiß aus allen Poren, Herzrasen, Verlustängste, sofortige Embryonalstellung, der übermächtige Drang sofort in den Weinkeller zu laufen und bei Hugo Schutz zu suchen.
Verschiedene Szenen:
- Ich wache auf, schaue an die Decke, wundere mich, wer bin ich, wo bin ich, was ist das für ein Zimmer, wer ist die Frau neben mir, ich kann mich an nichts erinnern, ich brauche…
- Ein Anruf, die Bank, das gibt’s doch nicht, Pleite, alles weg, nur noch € 100,00 im Portemonnaie, das war`s, ich brauche dringend….
- Ich sitze in einem Top-Sterne-Restaurant. Das Menue liest sich traumhaft, Mundwasser fließt, dann der Blick in die Weinkarte: Ich kenne keinen Einzigen, kenne plötzlich noch nicht einmal die Anbaugebiete, kapiere nichts, alles neu, ich brauch Hilfe, ganz dringend, ich brauche…
- Nachrichten, es geht los, die Katastrophe nimmt ihren Lauf, in 5 Stunden wird die Welt untergehen, kein Weg führt daran vorbei, das Ende, was tun? Ich brauche…
„Ich brauche einen Sommelier“
„Ich brauch keinen Pater
Und keine Psychiater,
Wenn ich keinen Ausweg seh`,
Keinen Pharmazeuten,
Keinen Therapeuten,
Ich brauche einen Sommelier! He!
Ich brauch einen Sommelier!“
Hm, noch eine Abschweifung, hin zu Harry Rowohlt (möge er in seeligem Unfrieden ruhen), dem König (oder Paganini) der Abschweifung, der die „Mr Gum“-Reihe von Andy Stanton aus dem Englischen genial übersetzt und mindestens ebenso genial als Hörbuch umgesetzt hat.
Wer die Reihe nicht kennt, hat noch eine tolle und lohnende Entdeckung vor sich, wer sie kennt wird sicher nachvollziehen können, wie ich mir vorstelle, dass „Uromimi“, die offenbar verwirrt durch die Szenerie irrt und sobald sie den sicher zahnlosen Mund öffnet mit schriller Stimme verkündet:
„Die alten Sitten machen sich wieder breit!“,
ebenso herumirrt und schrillt
„Ich brauche einen Sommelieeeeeeee, ich brauche einen Sommelieeeeeee““.
Ja, so was mach mir Spaß.
So, genug der Abschweifung und Danke an Reinhard Mey.
Hier die Liste, ultimativ:
Platz 1:
Willi Schneider: „Wenn das Wasser im Rhein gold`ner Wein wär“
„…Ei, wie könnte ich dann saufen,
brauchte keine Wein zu kaufen…“
Platz 2:
Willi Ostermann: „Einmal am Rhein“
„..einmal am Rhein,
beim Glase Wein bei Mondenschein…“
Platz 3:
Udo Jürgens„Griechischer Wein“
„…ist so wie das Blut der Erde.
Komm, schenk Dir ein…“
Platz 4:
Roland Kaiser„Sieben Fässer Wein“
„…Sieben Fässer Wein
können manchmal die Rettung sein…“
O.K., war ein Versuch, hat das einer geglaubt?
Wobei ich mich – durchaus beschämt – an die eine oder andere Gesangseinlage unter Verwendung von Platz 3 erinnern kann. Die, die dabei waren behaupten wohl auch, dass ich gesungen habe, sind sich aber ebenso sicher, dass ich mich unmöglich an irgendetwas erinnern kann. Lassen wir es dabei…
So, jetzt richtig und mit echtem Herzblut, mit Reihen-, aber ohne Rangfolge:
Billy Joel: „Scenes from an italian restaurant“
“A bottle of red, a bottle of white
Whatever kind of mood you´re in tonight
I`ll meet you anytime you want
In our Italian restaurant”
Nochmal, für mich dreht sich bei Wein alles um Stimmung, Umgebung, Szenerie, Begleitung, genau das möchte ich hier herauslesen.
Nazareth: „Holiday“
„Drinkin´ my wine, makes me feel fine,
Gonna have me a holiday”
Kann man das besser ausdrücken? Stimmt doch, oder, in jeder guten Flasche steckt ein kleiner Urlaub.
Später geht es weiter mit
„Drinkin´ my wine, spendin´ my time
Tryin´ to run from this Halloween”
Da kann jetzt jeder selber drüber nachdenken und Wortspiele mit Flucht- und Suchtmittel bilden.
Lee Hazlewood & Nancy Sinatra„Summer Wine“
“Strawberries, cherries and an angel´s kiss in spring
My summer wine is really made of all these things”
Yep, so mag ich das, besonders die Sache mit dem Engelskuss, den hat jeder Vinophile schon einmal geschmeckt, aber es traut sich kaum einer das zuzugeben, weil es sich dabei um den letzten nicht erklärbaren Rest handelt, der letztendlich einen großen Wein ausmacht. Lasst uns ein missionarisches Ziel verfolgen und diesen Begriff in die Weinsprache aufnehmen!
Übrigens, neben der aktuellen, wunderbar verruchten Version dieses Liedes von Ville Valo (wie kann man sich denn so nennen) und Natalia Avelon (auch nicht besser, sieht aber besser aus) gab es noch eine Version mit Roland Kaiser und Nancy Sinatra– Mix aus deutsch und englisch, Auslöser von 100% Spontanadstringenz, sofortiges Zusammenstoßen der rechten und linken Wange im inneren Mundraum, ist das peinlich !
Revolverheld„Ich lass für Dich das Licht an“
„Wenn wir nachts nach Hause gehen
Die Lippen blau vom Rotwein…“
Ja klar, ist schnulzig, aber schön und dann teilen die sich auch noch seine große Jacke. Ich steh dazu. Ich habe auch genau im Kopf, wie der Wein geschmeckt haben muss, samtig, ganz weich, aber voll und nicht zu leicht, viel Brombeere, gereifte Tannine, etwas dunkler Tabak…
Don Ho„Tiny Bubbles“
“Tiny bubbles
In the wine
Make me happy
Make me feel fine”
So schrullig, dass muss aus einer Zeit stammen, als Elvis seine Aloha-Phase hatte.
Aber, Recht hat er!
Annett Louisan „Das alles wär nie passiert“
„Himmel, Arsch, wieso bin ich gepierct
Und was soll dieses Schlangen-Tattoo?
Wessen Zeug liegt auf meinem Bett
Und wer zum Teufel bist Du?
Das alles wäre nie passiert
…
Ohne Prosecco“
Die Frau ist unglaublich, sieht so niedlich aus, hört sich so niedlich an und wenn man dann, irgendwann, trotz völligem eingelullt seins von dieser seichten Stimme, auf die Texte achtet, dann bemerkt man, wie sie einem gerade liebevoll mit der literarischen Klinge in der Bauchhöhle herumfuhrwerkt. Ach, dafür würde ich sogar wieder anfangen Prosecco zu trinken.
Queen„Killer Queen“
“She keeps Moet et Chandon
In her pretty cabinet
“Let them eat cake” she says
Just like Marie Antoinette…”
Ja, genau das ist Champagner -die Killer Queen als Personifizierung der verrucht-lasziv-Bösen aus den Bond-Filmen. Für den einen Martini, für mich Champagner.
Alanis Morrisette„Ironic“
„It´s a black fly in your chardonnay…“
GRAUSAM, so eine schreckliche Vorstellung in so einem genialen Lied, seit ich diesen Song kenne, schaue ich immer zweimal in mein Glas…
INXS„Never tear us apart“
“We could live
for a thousand years
But if I hurt you
I´d make wine of your tears…”
Cuvée des larmes – ich weiß ja nicht…., außerdem kapier ich ´s nicht, meine Motivation sie zum Weinen zu bringen – wenn das dann Wein ergibt – wäre viel zu groß, als dass das Ganze noch romantisch wirken könnte. Zudem ist es auf deutsch zumindest ein Wortspiel – Weinen zu Wein – aber kein gutes! Ne, das war nix.
Dolly Parton & Melissa Etheridge„I want to be in love“
“On Tuesday light the candles bring me wine
Wednesday morning I won´t get to work on time…”
Wenn das keine perfekte Einladung ist…
Es gibt noch endlos viele tolle Lieder in denen Wein Erwähnung findet.
Diese Liste ist wird bestimmt noch ergänzt und ich würde mich über jeden Hinweis auf weitere Wein-Songs freuen.
reinhard may begleitet mich seit den 70er jahren des vorigen jahrhundets ( wie das klingt ) habe fast alle platten und war auch schon in so manchem konzert von ihn! ich muß feststellen auch reinhard wird alt und hat nicht mehr den elan von früher. seine neuen lieder haben nicht mehr die kraft und die substanz der alten von einst, aber ich kaufe dennoch jede neue cd! es gibt einfach keinen besseren geschichten erzähler deutscher zunge!