Chardonnay Patchwork 2015 – Bénédicte & Stéphane Tissot

„DIE“ Entdeckung für neugierige Weinenthusiasten – unbezahlbar für bezahlbare € 21,00 im Weinhandel, eines der Größten Weinerlebnisse der letzten Monate

Eigentlich total verrückt, diese Erkenntnis ins Netz zu stellen, wo sie jeder lesen und mir das Zeug wegkaufen kann – sollte da irgendwo tief in mir doch eine soziale Ader verlaufen? Nicht auszudenken!

Ökologisch, biodynamisch, sogar Demeter®-zertifiziert, das können wir uns aber alles sparen, entscheidend ist, dass auf den Flaschen trotz aller Regulierungs- und Zertifizierungswut folgender Warnhinweis fehlt:

Achtung: Nur für Weinbegeisterte Neugiernasen (und –gaumen), macht abhängig, ist eigenwillig, ungewohnt, anders, lässt alle Gespräche am Tisch sofort verstummen und einen tiefen, virtuellen Graben entstehen, trennt messerscharf und unüberwindbar in „magstenich, is um“ und einem gollumschen „Mein Schatz“.

Dieser Wein setzt eine gewisse Weinerfahrung oder eine extreme Offenheit voraus und stellt vieles in Frage, was man – in diesem Fall über Chardonnay – zu wissen vermeint.

Direkt nach dem Öffnen ganz viel und alles überlagernde Citrus(-säure) in Nase und Mund, die sich nach wenigen Minuten abbaut, aber weiter im Hintergrund mitschwingt.
– Sollte auf jeden Fall karaffiert und nicht zu kalt getrunken werden.

Danach kommt die volle Dröhnung mit endlosen Nuancen und Entdeckungsmöglichkeiten.
Über Allem schwebt dieser typisch oxidative Jura-Charakter, ein Schwall aus Mandelkernen und Walnusshaut hüllt ein, an Sherry erinnernde Ernsthaftigkeit breitet sich aus, der Duft von eingelagerten Äpfeln weckt Kindheitserinnerungen und eine Holz-Chardonnay-Schmelzigkeit will tief in ein altes Fass hineinziehen, Brioche, geröstetes Brot, Butter, Honig, immer wieder aufgekitzelt und enthemmt durch eine phantastische Säure. Tolles Mundgefühl, ganz lang anhaltender Spaß am Gaumen.

Du lachst, Du weinst (warum weißt Du nicht), hältst erkenntnisbeseelt inne, Du schaust fragend in das Glas und das erste mal im Leben möchtest Du einen Wein zum Tanzen auffordern. Waren da eben noch andere Gäste am Tisch?

Das ist also die Jura-Variante eines Chardonnay, bestimmt standen da irgendwo auch ein paar Savagnin-Reben herum, die irgendeinen Einfluss hatten, aber darüber schweigen wir. Sehr regional, sehr charaktervoll, will man den überstrapazierten Terroir-Begriff aufnehmen, dann findet er hier, wie sonst sehr selten, wirklich seine Berechtigung.

To buy, to drink, no more…..

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