Kellershots ? Ein Bild, ein Wein, ausnahmsweise keine langen Worte:
Vin Jaune Domaine Macle Château Chalon 2003 – um die sehr gerne gezahlten € 65,00.
Zu diesem Wein gibt es diesen Kurzbericht und eine weitere, sehr ausgiebige Fassung.
Der Vin Jaune von Macle hat mich fasziniert und tief in seinen Bann gezogen, ich konnte gar nicht anders, als ihm mehr Zeilen zu widmen, als selbst bei mir üblich. Diesen Bericht gibt es hier, dazu noch ein paar Gedanken zum Öffnen von Weinflaschen, tiefenpsychologische Profile der Winzer an sich und die eine oder andere Geschichte.
In schon unmoralischer Kürze (und länger als für die Kellershots üblich) kann ich über den Vin Jaune folgendes vermelden:
Gut, dass ich nicht mehr mit Füllfederhalter auf Papier schreibe, denn sonst wären meine Notizen wegen der ganzen Tränenflecken nicht mehr lesbar. Eine Begegnung mit einem solchen Vin Jaune ist etwas ganz besonderes, nachhaltiges und macht auf eine freudige Weise demütig, ist aufreibend und kribbelt sich hinten im Nacken hoch, bis es im Kopf ganz wohlig warm wird (des Weintrinkers ASMR), die Augen quellen über und in Tränen gelöste Ergriffenheit muss am Glas vorbeigeleitet werden, damit dieses kostbare Geschenk französischer Götter nicht verdünnt wird.
Bevor man einen Vin Jaune verkostet, sollte man viele Jahre lang andere Weine getrunken haben. Man muss schon einiges an Erfahrung gesammelt haben, um dieses Phänomen würdigen zu können. Dies ist der erste Wein, bei dem ich nicht zustimmen würde, ihn nach „schmeckt oder schmeckt nicht“ zu beurteilen. Selbst, wenn der – erfahrene – Weintrinker zu dem Schluss kommen sollte „Nein, schmeckt mir nicht!“, so wird er ihn trotzdem trinken (da muss man durch) und sich in Richtung Jura verneigen, um zu Danken, was möglich ist. Der unerfahrene Weintrinker wird in wahrscheinlich schlichtweg nicht verstehen.
Nein, es ist kein Sherry!
Im Glas edelster Bernstein, klar und goldbraun funkelnd, in der Nase eine intensive Nussigkeit, am Gaumen eine unerwartete Frische und Leichtigkeit, auch wieder nussige Elemente, wie Walnusshaut, fast explosionsartig, auch getrocknete Früchte, Aprikose, aber immer wieder ein fast wellenartiges Spiel von Walnüssen, Erde und der erwarteten Oxidation. Aber gerade diese Oxidationsnoten hauen um, sind so spielerisch leicht, dass man ihnen mit der Zunge folgen will, getragen von einer provozierenden, neckenden Säure, die den Wein unglaublich ausbalanciert weiterführt. Hier steht ein echter Brummer im Glas, der das aber eigentlich nur durch seinen endlosen Abgang zeigt. Noch lange nachdem der Schluck den Mundraum verlassen hat geht dieses Spiel weiter, hebt und senkt sich, als hätten die Geschmacksrezeptoren im Mundraum eine Überdosis abbekommen, die sie noch lange verarbeiten müssen. Genial, einnehmend, zugänglich, aber nicht leicht, ein spannender Begleiter, ein immer etwas mystischer Gefährte, den man auch nach Jahren der gemeinsamen Zeit auf der sonst einsamen Insel, nie völlig begreift, einer, der zu neuen Ebenen führt. Unglaublich!
Kann man dazu überaupt ein Essen kombinieren? Ja, das geht sogar ganz hervorragend, probiert dazu einen schön gereiften Comté, oder, wenn man es wirklich wissen will und großzügig genug ist, ein Poulet au vin jaune. Letzteres bedeutet aber, dass man für 4 Personen etwa 500ml des segenreichen Getränks in die Sauce kippen muss, das ist fast eine ganze Flasche und würde für mich die Personenanzahl sofort auf genau 2 (nämlich meine Frau und mich) reduzieren. Nun gut, es muss für die Sauce ja nicht unbedingt ein Vin Jaune von Macle sein. Schön sind auch alle mit einem kräftigen Käse überbackenen Gerichte. Zu einer deftigen Zwiebelsuppe (mit Käse überbacken) ist er genial und jetzt muss ich aufhören, denn es tropft gerade auf die Tastatur….
Wer mehr will, bitte hier!
