…und Casanova hatte immer eine Flasche dabei…….
Ein Strohwein aus dem Jura, abgefüllt in einer filigranen 0,375 l – Flasche, um die € 31,00 (neuere Jahrgänge – und das ist dann der 2009er (sic!), um die € 24,00 ab Weingut)
„…und Casanova hatte immer eine Flasche dabei…“ verrät mir Francois flüsternd bei einer Weinprobe in Frankreich, deren krönender Abschuss dieser bernsteinfarbene Verführer aus Arbois ist. Francois schaut sich um, will ungebetene Mithörer weit genug entfernt wissen, winkt mich noch näher zu sich heran – wir sind seit rund 20 Minuten die besten Männerfreunde, nichts auf der Welt kann uns mehr trennen – und fügt verschwörerisch und leider auch mit einem typisch männlichem etwas dumpfbackig-geiferndem Gesichtsausdruck hinzu „funktioniert immer….compris?!“ Zum Glück vergisst Francois nach dem diesen Worten folgenden Zwinkern die Augen wieder zu öffnen und schläft weinselig am Probentisch ein……
Ja, natürlich habe ich verstanden, auch wenn ich mir die Geschichte mit Casanova nicht so recht vorstellen kann, weil das Weingut der Familie Rolet erst gegen Ende des Zweiten Weltkrieges gegründet worden ist, aber wie immer ist es der Gedanke, der hinter den Geschichten steht und letztendlich zählt.
Dieser Wein ist eine Geheimwaffe, die Ultima Ratio unter den Weinen, wenn der nicht hilft, dann keiner mehr!
Ja, Sie haben richtig verstanden, wir haben es hier mit einem Abschlepper par excellence zu tun, Klar-Macher, Aufreißer und größter Dosenöffner (böse, sorry, habe ich aufgeschnappt, weiß gar nicht, was das bedeutet) vor dem Herrn.
Die libidinösen Eigenschaften sind beängstigend, aber ich werde einen Teufel tun, dass hier näher zu beschreiben, das sei jedem im (bitte) wohlüberlegtem Selbstversuch überlassen.
Die Frage ist, was steht dahinter, warum ist das so? – Natürlich interessiert das keinen wirklich, weil im vorherigen Absatz ja schon alles Wesentliche gesagt wurde und man(n) jetzt auf die Jagd gehen könnte (Frau übrigens auch, diesbezüglich ist der Wein total emanzipiert) und weiterlesen eigentlich überflüssig ist und nur unnötig Zeit kostet, aber ich habe mir einen intellektuellen Reststolz bewahrt und deswegen müssen wir da jetzt durch.
Auf den Punkt gebracht: Dieser Wein ist ästhetisch, besonders, wertig, überraschend, nachhaltig und macht Lust auf Mehr. Ein perfekter Verführer!
Das beginnt mit der kleinen, wunderbar geformten Flasche, alle Signale schreien „jetzt kommt etwas besonderes“, kleiner Flaschenhals, schmaler Korken, teuer, sticht subtil aus der Masse heraus, edel, souverän, ganz vorne, ohne zu protzen.
Ich habe bei ganz vielen, wirklich sehr intensiven Proben, nach einer Vielzahl von edelsüßen Weinen, die ja oft eine Probe abschließen, mit diesem Wein noch einmal richtig gepunktet. Auf dem edelsüßen Gebiet fühle ich mich eigentlich nicht so wohl, da hört es nach drei, vier Weinen ganz schnell auf und alles ist nur noch süß, aber wenn alle schon in den Seilen hängen, die Augenlieder schon der Erdanziehung folgen, dann rüttelt der Rolet sie alle immer wieder wach. Er überrascht, verwundert, bringt alle schon ins Nirwana entschwindenden Sinne wieder zurück auf den Punkt und ist einfach ……anders.
In der Nase eine intensive Konzentration von getrockneten Früchten, ganz viel Aprikose, unterlegt mit edlem Bienenwachs, getrockneten Blumen (dieses Herbstding: Heublumen unter warmer Herbstsonne auf warmem Boden, da wo man sich wälzen möchte) und duftigen (nicht bitteren) Walnüssen.
Am Gaumen auch sehr konzentriert, likörartig, maulfüllend und trotz der intensiven, aus den rosinierten Trauben stammenden Süße (süß, nie zuckrig!) mit einem unweigerlich zum Sabbern führenden Säuregerüst versehen. Da kann Georg Clooney ruhig seinen Nespresso trinken, wer die Macht über die kleine Flasche Rolet hat, ist definitiv der attraktivste Mensch im Raum.
Keine Frage, der Abgang ist die eigentliche Sensation, der Vin de Paille hallt so lange nach, dass Sie nicht nur am Abend, sondern auch am nächsten Morgen auf das störenden Zähneputzen verzichten werden. Und, er macht süchtig, denn entgegen manch anderer edelsüßer Gewächse, die sich irgendwann im Mund so breitgemacht haben, dass der nächste Schluck keinen wirklichen Zusatznutzen mehr bringt, rollt der Rolet alles immer wieder neu auf und begeistert immer weiter. Dies Dank des perfekten Säurespiels. Begrenzt wird diese vinophile Orgie nur durch den regionalen Weinhändler meines Vertrauens, der mir nie mehr als drei Flaschen verkauft:
„Monsieur, Sie müssen verstehen, ich kriege selbst nicht mehr als 12 Flaschen pro Jahr, und es ist der Lieblingswein meiner Frau, wir haben uns mit diesem Wein kennengelernt….“ …….Grins (!), jetzt habe ich ihn in der Hand, alter Schwerenöter!.