Ein Königreich für einen Etymologen, oder – hätte ich doch etwas anständiges gelernt
Dem neugierigen Hobbytrinker fällt natürlich gleich die Namensähnlichkeit des Elbling mit den Elben der nordischen Mythologie auf.
Ein anderer Name für den Elbling ist auch „Alben“, was wiederum zum Alb als Fabelwesen führt, der sich in unserem Sprachgebrauch ja noch im Wort Albtraum vergegenwärtigt. Dabei sind die Worte Albe, Elbe oder eben auch Elfe gleichbedeutend. Hieraus könnte man schöne Geschichten entwickeln, zumal der Elbling als die älteste Weinsorte Europas gilt.
Mit ihm hat es also angefangen.
Ich sehe unsere Ahnen förmlich vor mir, wie sie mit einem gut gefüllten Humpen des neu angebauten, vergorenen Rebensaftes in geselliger Runde beieinander sitzen. Das Zeug ist neu, das Zeug ist in, aber damit umzugehen haben sie noch nicht gelernt.
Mit zunehmendem Genuss wird alles besser, schöner, jünger, kräftiger. Die Phantasie ist angeregt und sie beginnen sich immer wildere Geschichten zu erzählen, ein wunderverheißendes neues Getränk, sie erkennen an sich selbst geistige Höhenflüge, zu denen sie bisher nie fähig waren, die Welten verschwimmen, alles wird phantastisch, sagenhaft, die alten Mythen werden vor prasselndem Feuer zum Besten gegeben, in den Flammen beginnt es zu tanzen, spiegelt sich wieder im Wein – ja und dann ist es nur noch ein kurzer Schritt, bis da wirklich kleine Elfen, Elben oder Alben aus den Krügen entsteigen. Schon ist der Name geboren.
Vielleicht war es aber auch nur die Nachwirkung des Weines am nächsten Morgen, die man den Dunkeleben zuschrieb. Das würde mich nicht wundern, schließlich war das alte Wort für Hexenschuss ja auch Albenschuss und bestimmt gab es eine mittelalterliche Bezeichnung für den Kater am Morgen danach und irgendwann wird irgendwer das vielleicht „Alb im Kopf“ genannt haben, oder vielleicht auch „Alberich“ – ja, genau, „Alberich“, das ist es!
„Ich habe einen schrecklichen Alberich!“ – Das besagt genau das was es ist!
q.e.d.
Das wirft ein völlig neues Bild auf die Nibelungensage…..Alberich, der alte Lump….
Leider geht es hier aber nicht um Spaß oder Ästhetik in der Wortherkunft und daher war wahrscheinlich doch alles ganz anders und sowohl das Wort „Albe“ (der aus der Mythologie), als auch der „Elbling“ gehen möglicherweise zurück auf das lateinische Wort „albus“ für „weiß“. Beim Elbling zurückzuführen auf den vitis alba der Antike und bei den Alben, Elben oder Elfen zurückzuführen auf eben „weiße“ Lichtgestalten, die das übersinnliche symbolisieren.
Vitis alba steht übrigens für die Waldrebe im Gegensatz zur vitis vinifera, der edlen Weinrebe und der Elbling gehört natürlich zur Art der vitis vinifera, der Vergleich zur vitis alba rührt nur her aus dem schlechten Ruf des Elbling als Massenwein – jaja, muss man alles wissen, sonst darf man überhaupt nicht anfangen mit dem Wein trinken…
Der Elbling hatte also keinen guten Ruf und galt viele Jahre als minderwertiger Massenwein. Er ist anspruchslos, liefert große Erträge und ist also in der Herstellung für den Winzer relativ kostengünstig.
Das führte im Mittelalter zur Anwendung zunächst legaler Steuertricks durch findige Weinbauern. Diese mussten nämlich damals der kirchlichen oder weltlichen Obrigkeit den Zehnten entrichten und zwar in Form von Naturalien, also Wein.
Der Gedanke Steuern zu zahlen trug noch nie zu übermäßiger Begeisterung bei und so versuchte man eben auch schon damals alle möglichen Spielräume auszunutzen und so – oh Wunder – landete die Massenware Elbling auf den Tischen des Adels und des Klerus und die besseren Weine verblieben in den Kellern der Winzer.
Das wiederum führte zu nur zurückhaltender Begeisterung der Obrigkeit, die (wie heute leider oft auch) mit dem großen Holzhammer reagierte und den Anbau des Elbling in vielen Fällen schlichtweg verbot. Dies und das Aufkommen weiterer ertragssicherer Reben führte dazu, dass der Elbling nach und nach seine vorherrschende Rolle verlor.
Bis um 1900 war in Deutschland der „gemischte Satz“ üblich. 5 oder mehr Rebsorten wurden gleichzeitig in einem Weinberg geerntet und zusammen ausgebaut. Hier bildete der Elbling oft die ertragssichere Weinbasis. Mit dem Aufkommen des „reinen Satzes“, also dem Übergang zu nur einer Rebsorte im Weinberg reduzierte sich die Verbreitung des Elbling auf wenige Rückzugsgebiete vor allem an der Obermosel, wo er auf den kalksteinhaltigen Böden ein erfrischendes Nischendasein fristet.
Heute wird er oft als Basis zur Sektherstellung verwendet. Als Wein liefert er leichte, säurebetonte, fruchtige Ergebnisse und bietet reichhaltig Spielraum für spannende Entdeckungen.