La Perdicion Seleccion 2010 – Das Verhängnis

Heute Abend hatte ich unglaublichen Sex.

La perdicion groß

… und …nicht mit meiner Frau…

Ich wurde verführt, dass müsste Ihr mir glauben, und auch wenn Ihr mitleidig von den Kanzeln Eurer bigotten Kleinbürgerlichkeit herabruft „Du hättest widerstehen müssen!“ und „dazu in Deinem Alter“, so antworte ich „Nein, Nein und nochmals Nein. Ich hätte mich nicht wehren können und – ganz bestimmt – ich wollte mich auch nicht wehren.

Es war ja nicht nur Sex, keine nur körperlich, pornographische Befriedigung.

Es war viel mehr als das.

Keine Liebe, damit wir uns richtig verstehen, die hege ich allein für meine Frau, in anderer Form für meine Kinder und vielleicht für den Weltfrieden, Nein, Liebe war es nicht, sondern Verführung, kunstvollste Verführung, Leidenschaft, wildes Verlangen, Hingabe, schmelzende Eiswürfel auf brauner Haut, Wild Orchid, ein roter Seidenschal, der meine Augen schließt, kratzende Fingernägel, die über meinen Rücken fahren, langes Frauenhaar, das über mein Gesicht fällt und von der Welt da draußen trennt.

Ein guter Freund hat mir einmal gesagt „Wein ist der Sex des Alters“. Und heute Abend habe ich ihn verstanden.

Nein, Moment, ehe jetzt Gedanken an schwindende Libido und altersbedingte Störungen aufkeimen, alles o.k., ich bin gesund, keine Probleme, alles funktioniert, ich muss Nachts nicht dauernd raus, und Viagra und Cialis kenne ich nur dem Namen nach, aber heute habe ich eine völlig neue Erfahrung gemacht.

La Perdicion Seleccion 2010 aus der Bodega Di Vinos & Viñas, Valencia, Spanien,

50% autochthoner Tempranillo (hier Ull de Llebre genannt), dazu die internationalen Sorten Merlot, 40% und 10% Cabernet Sauvignon, aber egal, ein junges Weingut, mit kleinen Produktionsmengen, auch alles egal, Bio, ganz ehrlich – auch egal! (`tschuldigung, tut mir nicht wirklich leid, dazu vielleicht an anderer Stelle mehr).

Nicht ganz egal:

Im Glas ein wundervolles, eher dunkles Granatrot mit schimmerndem Rand.

Ganz und gar nicht egal:

Dem Glas entströmt ein Duft, der mich einfängt, ich schließe die Augen und es ist geschehen. Ich stehe auf einer spanischen Plaza, direkt vor einer Stierkampfarena. Die Menschen drängen herbei in archaischer Lust auf Kampf und Schweiß und Blut. Ich lasse mich mitziehen, spüre die Gier der Menge und treibe mit, in einer Welt, die ich mir niemals vorstellen konnte.

Ich halte abrupt inne.

Kurz vor dem mit Stierköpfen geschmückten Haupttor hat sich ein kleiner Kreis von Menschen gebildet. Sie umringen eine Flamenco-Tänzerin, die langsam beginnt sich zu einer imaginären Musik zu wiegen. Sie ist weder jung noch alt, weder dünn, noch dick, ich empfinde sie weder als schön, noch als hässlich, doch mit jeder ihre grazilen Bewegungen zieht sie mich mehr in ihren Bann und der Stierkampf ist vergessen. Ein plötzlicher, harter Tritt auf den Boden, schwarze Augen, die nur mich anzusehen scheinen und in der Luft ein Duft nach Rauch, Holz und Feuer.

Sie tanzt auf mich zu, beugt sich zu mir herab in einer Üppigkeit, die ich unbedingt greifen will. Plötzlich sind wir allein, stolz wirft sie ihren Kopf zurück, das tiefschwarze Haar glänzt im Schein des Lagerfeuers, wild, entschlossen und doch aufreizend langsam schiebt sie ihren Rock hoch über ihre Knie. In ihren Augen kein Zweifel, kein Zögern, nicht der unsichere, kokettierende Blick eines Mädchens, nein, der wollüstige, fordernde Blick einer Frau. Wieder schließe ich die Augen (wie dumm) ich erahne eine volle, reife Frucht, Töne von Vanille, voluminöse Tiefe, schaue ins Glas und suche und träume und wundere mich.

Preis: je nach Anbieter um die € 15,00

Selektive Handlese, temperaturkontrollierte Vergärung und 12 monatiger Ausbau in französischen Barriques, wird unfiltriert abgefüllt!

 

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