Rubicon 2010 vom Meerlust Wine Estate Stellenbosch

Rubicon2010Also, das ist hier alles nicht ganz so einfach!

Der Rubicon beschäftigt, berührt auf ganz vielen Ebenen, ist lange nicht eindeutig und vor allem nicht gradlinig. Das kann abstoßen. Ich kann gut verstehen, dass man die wenige freie Zeit, die wir Meisten zur Verfügung haben, lieber mit einem einfacherem, im Sinne von „zugänglicherem“ Wein verbringt.

Allerdings kann „einfach“ ja jeder und außerdem hat sich gezeigt, dass wir den Wert der Dinge, die wir uns hart erarbeitet haben, höher einschätzen, als den von solchen, die uns in den Schoß gefallen sind. Das gilt für Gegenstände, persönliche Entwicklungen, Menschen und mit der nötigen Ruhe, Neugierde und Erlebnisbereitschaft eben auch für Wein. Manchen Wein muss man verstehen lernen und das gilt sicher ganz besonders für den Rubicon.

Spontan erinnert mich der erste, vorsichtige Kontakt mit diesem geschichtsträchtigen südafrikanischen Botschafter an meine ersten (und einzigen) Versuche Pfeife zu rauchen oder an die abgewiesenen Kussversuche nach einem wee little dram Laphroigh (davon gab es dann wohl mehrere…).

Ich glaube, „in kaltem Rauch geräuchertes Brombeersaftkonzentrat“ beschreibt den ersten Eindruck ziemlich gut.

Mit wird ganz schnell klar, dass dieser Wein keine anderen Götter neben sich duldet und dafür sorgt er auch. Er zieht alle Aufmerksamkeit auf sich wie ein jugendlicher Geck, entwickelt sich so rasend schnell, dass man im ständig Beachtung schenken muss, um wirklich mitzubekommen, was passiert.

Kein Wein für ein romantisches tête à tête, wer mag schon einen Mund voller Rauch küssen, kein Wein für ein gutes Buch, „nebenbei“ geht beim dem Rubicon gar nicht und zum Essen: ??? – Nein, dazu zieht er zu sehr, spielt sich auf, springt immer wieder in den Mittelpunkt und will zeigen, was er kann.

Dieser Wein braucht eine leeren Tisch, ein Glas und einen aufmerksamen Bewunderer, das ist das ganze Universum.

Nach 20 Minuten die unerwartete Katastrophe: Kohl – und zwar in der Nase und am Gaumen, so heftig habe ich das selten erlebt, das dauerte exakt 2 Minuten, war wirklich eklig, aber dann komplett weg und kam nicht mehr zurück. Verstanden habe ich das nicht und wäre hier wirklich für eine Erklärung dankbar. Ich vermute, dass ich ihm nur kurz keine Beachtung geschenkt habe und es eine Art Racheakt war, wie gesagt, ein bisschen empfindlich ist er schon…

Weiter, nun mit voller Aufmerksamkeit. Und für diese Aufmerksamkeit belohnt mich der Rubicon (geschmeichelt werden, das gefällt ihm): Ganz spannende Schwarzkirscharomen, aber immer wieder unterlegt durch Feuer und Rauch. Jede Wette, gleich klopft es an der Tür und der Mann aus den Bergen kehrt von einer ausgedehnten Winterjagd zurück, schleift einen Bären und drei Rentiere hinter sich her und will einen Schluck von MEINEM Wein um kein Feuer machen zu müssen.

Den Rubicon überqueren bedeutet, dass es kein Zurück mehr gibt. Zumindest für diesen Abend gilt das, denn der Wein fesselt und fasziniert durch seine ständige Entwicklung und hält mich bei sich, führt mich durch immer spannendere Aromen.

Nach 2 Stunden wird er weicher, die Räucherfeuer scheinen tatsächlich etwas heruntergebrannt zu sein (und der Mann aus den Bergen legt sich schlafen). Es kommt mehr und deutlichere Frucht, neben der nun noch reiferen Kirsche zeigt er Brombeere und etwas in Richtung Pflaumenmus, sogar reife Erdbeere, dazu eine unerwartete, fast spritzige Leichtigkeit.

Der Rubicon ist wirkliche eine anspruchsvolle, aber auch sehr abwechslungsreiche Abendbegleitung, das muss es auch sein, denn geküsst wird man an diesem Abend bestimmt nicht mehr…..

Unter Aufbietung aller Kräfte gelingt es mir die Flasche 1. an diesem Abend nicht auszutrinken und 2. den Rest vier ganze Tage stehen zu lassen (damit bin ich übrigens mit dem Thema Willensstärke durch, rangiere weit über jedem Tour-de-France-Sieger und auch noch knapp über diesen tibetischen Mönchen, die ihren Herzschlag und ihre Körpertemperatur via Willenskraft beeinflussen können ….sollen…).

Was dann kommt entschädigt mich für vier Tage vinophiler Keuchheit. Der Rubicon explodiert, die Rauchigkeit bleibt, wird aber dezenter und fügt sich in ein Gesamtbild ein. Die Früchte wirken edler, größer, der Mund wird noch voller, droht fast überzulaufen und der Wein bleibt reif und endlos präsent im Nachhall. Hier ist keine Spur mehr von der Leichtigkeit vor vier Tagen, nur noch Opulenz und Größe.

Und…wenn er spricht, dann geschieht das nun mit der tiefen, schottischen (Original-) Stimme des älteren Sean Connery…..

Für rund € 27,00 ein besonderes Erlebnis, auf das man sich aber einlassen können muss!

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