Châteauneuf du Pape 2008 von der Domaine Crôs de la Mûre
Den ersten Kontakt zum Weingut hatte ich bei einem wunderbaren Abendessen mit meiner Frau und einem befreundeten Ehepaar im Le Moissonnier in Köln. Der Maître selbst empfahl den Wein: „Ein kleiner Winzer mit nur wenigen Ar im Châteauneuf, komplett biodynamischer Anbau.“ Und mit einem Augenzwinkern: „Ein Geheimtipp!“
Der Wein schmeckte hervorragend.
Wir waren begeistert, zumal das Le Moissonnier auf seiner Weinkarte damit wirbt, alle Weine auch außer Haus zu verkaufen und orderten gleich 6 Flaschen, um sie dem heimischen Weinkeller zuzuführen. Wir erwarteten ein Strahlen in den Augen des Maîtres ob des nicht unerheblichen Zusatzumsatzes und waren enttäuscht, als sich dessen Miene verdunkelte.
„Non Monsieur, das ist absolut unmöglich, diesen Wein kann ich Ihnen nicht verkaufen!“
„Aber, entschuldigen Sie, es steht doch ausdrücklich in Ihrer Weinkarte, hier, lesen Sie selbst – Alle Weine auch zum Mitnehmen außer Haus.“
„Oui, aber nicht dieser Wein, das ist eine Ausnahme. Ich `abe nur noch wenige Flaschen!“
Ich empfinde ein solches Argument immer als irrational, denn schließlich sind doch auch die nur noch wenigen Flaschen irgendwann zum Verkauf bestimmt und dann könnte man sie ja auch gleich an uns abgeben, aber diesem Gedankengang wollte der Maître nicht folgen.
Der Kaufmann in mir witterte dann in seiner zunehmend ablehnenden Haltung den Versuch, den Preis eines –vielleicht künstlich oder sogar nur angeblich (!)- verknappten Gutes in die Höhe zu treiben. Das wäre nicht nett, aber unter erwachsenen Menschen verhandelbar.
„Non, Monsieur, das ist keine Frage von Geld, überlegen Sie nur, was geschehen ist. Eric (der Winzer) hat vor einigen Jahren alle roten Rebstöcke aus seiner Anbauparzelle im Châteauneuf `erausgerupft und baut dort nur noch Weißwein an. Nach diesem Roten gibt es noch ein, zwei Jahrgänge, aber dann: Nichts mehr. Non, seien Sie froh, dass Sie ihn zum Essen genießen durften.“
Mittlerweile war auch ich etwas angefressen, ich mag es nicht wirklich, wenn man mir etwas vor die Nase hält und die ganze Zeit sagt „das kriegst Du nicht, das kriegst Du nicht!“
„Wieso haben Sie uns den Wein denn zum Essen empfohlen, wenn Sie ihn eigentlich gar nicht abgeben wollen?“
Spätestens mit dieser Frage outete ich uns als unwissende Crétins, die die Bedeutung der französischen Küche, ja das kulinarische Erbe einer ganzen Nation, nicht im marginalsten zu erfassen in der Lage sind. Das ließ uns der Maître auch spüren.
Trotzdem, wir wollten diesen Wein, aber der Maître verstand schon lange keinen Spaß mehr, hier würden wir ihn also nicht bekommen.
Im Internet gibt es alles!
Wohl doch nicht….
Wir fanden ein paar Weinhändler, die vorgaben, den Wein im Programm zu haben – in Belgien, England und den USA. Belgien war ausverkauft, aus dem Shop des Engländers wurden wir immer wieder rausgeschmissen und unter der angegebenen Telefonnummer meldete sich eine ältere Dame, die zwar keinen Weinhandel betreibt, aber immer wieder nette Anrufe zu diesem Thema entgegennehmen konnte. Die USA wollte schlichtweg keine Geschäfte mit Europa machen – selbst Schuld.
Ich kratzte alles Französisch dessen ich noch mächtig war zusammen und schickte eine E Mail an das Weingut, um mich nach der Möglichkeit zu erkundigen den Wein direkt zu beziehen.
Tatsächlich hatte Myriam Michel, die Tochter des unsäglichen Eric Michel, Herausreißer der roten Rebstöcke, einige Schlüsselwörter in meinem französischen Kauderwelsch richtig gedeutet und teilte mir sehr freundlich mit, dass Sie keinen Weinversand nach Deutschland betreibt, es aber in Deutschland einen Weinhändler gibt, an den wir uns gerne wenden könnten: Le Moissonnier in Köln.
Toll!
Es folgten diverse Bittgesuche an Myriam, die sich unserer Sache dann tatsächlich annahm. Sie erkundigte sich nach einem möglichen Frachtweg, stellte die Kosten zusammen und sandte uns schließlich eine Vorab-Rechnung, die wir sofort beglichen.
Alles war gut!
Leider nicht.
Einige Tage später erhielten wir eine zerknirschte Mail von Myriam mit dem Angebot, uns das Geld wieder zurück zu überweisen, weil dem Export nach Deutschland die Bürokratie der Grande Nation mit geschwellter Brust im Wege stehe. Es bräuchte diverse amtliche Nummern für die Ausfuhr und für verschiedene Steuern, die zu beantragen nicht nur Monate dauern, sondern auch erhebliche Kosten hervorrufen würde. Laut Myriam könne man diese augenscheinlich geschäftsschädigende Vorstellung des französischen Staates nur umgehen indem man den Wein selbst abholt oder sie ihn an eine Adresse innerhalb Frankreichs versendet, möglichst grenznahe, damit er dann bei Nebel und im frühen Morgengrauen unbeobachtet auf die deutsche Seite gelangen könnte. Von diesem letzten Schritt würde sie dann aber nichts wissen.
Gerne hätten wir den Wein selbst abgeholt, dass passte aber leider zeitlich nicht. Allerdings betreut der männliche Part des Paares mit dem wir im Le Moissionnier einen wunderbaren Abend erlebten für die Kölner Ford-Werke verschiedene Autohändler. Auch im Saarland…. grenznah zu Frankreich. Dort gibt es Mitarbeiter, die in Frankreich wohnen und täglich ins Saarland pendeln….
So fand der Wein nach vielen Wochen dann endlich den Weg zu uns und hatte seine Geschichte.
Zu erwähnen sei noch, dass alle an diesem Deal beteiligten Personen, der Freund von Ford in Köln, der saarländische Autohändler und nicht zuletzt der französische Pendler zwar bereitwillig mitmachten, aber dann doch die Fassade der selbstlosen Hilfsbereitschaft fallen ließen und ihr Bakshish in Form einer guten Flasche einforderten. Korrupte Bande! Aber auf diesem Weg noch einmal vielen Dank!
P.S. Falls das irgendwie in ein falsches Licht gerückt sein sollte: Vincent Moissionnier ist einer der großartigsten, freundlichsten und liebevollsten Gastgeber, die man sich nur vorstellen kann. Was seine Frau und er in Köln geschaffen haben ist kulinarische Hochkultur in fast schon erlebnisgastronomischem Ambiente (mehr dazu hier nicht, wer schon mal da war wird mir sicher zustimmen, wer noch nicht da war soll schnellsten versuchen einen Tisch zu kriegen…).
Wenn Monsieur Moissonnier am Tisch steht, um die Weinauswahl zu besprechen, dann wird jedem Gast klar, dass dies in diesem Moment die allerwichtigste Entscheidung auf der ganzen großen weiten Welt ist – und die Schönste dazu.
Außerdem hat er die schönsten Augen, die ich je bei einem Mann gesehen habe.
Natürlich kann man es ihm nicht wirklich übel nehmen, wenn er die Schätze seines Weinkellers vor allzu schnellem Abverkauf schützen will. Jeder Weinliebhaber und Besitzer eines Weinkellers vesteht das.
Allerdings erging es uns einige Wochen später, bei einem erneuten Besuch im Le Moissionnier, wieder genau so. Eine mit verschmitzter Freude vorgetragen Weinempfehlung, ein genialer Wein, ein großartiges Erlebnis, dann der erneut vorgetragene Wunsch ein paar Flaschen für zu Hause….“Bedaure Monsieur, diesen Wein können wir leider nicht außer Haus verkaufen, wir haben nur noch wenige Flaschen…..“
Habe ähnliche Erfahrungen gemacht, fahre daher jedes Jahr zum Weingut. Die Weine sind einfach sehr gut, wenn man auf Bio-Weine ohne Holzkontakt steht.