Warum diesen Blog?
Weinblogs gibt es nun wirklich eine ganze Menge und einige sind auch richtig gut. Warum also diesem Angebot noch ein weiteres hinzufügen? Diese Frage stellte ich mir allerdings erst nachdem ich begonnen hatte diesen Blog aufzubauen….Trotzdem, einmal aufgetaucht, sollte ich auch versuchen mich dieser Frage zu stellen.
„Was mache ich hier eigentlich? Wo soll das hinführen? Wo kommt das her? Und überhaupt, ….was soll das alles?“
Eigentlich die klassischen philosophischen Fragen.
Ich habe vier Antworten und hoffe somit, dass da für jeden was dabei ist.
Eine Antwort ist tatsächlich (wein-)philosophischen Ursprungs und führt zu meinem Grundverständnis von gutem Wein. Von den anderen Antworten ist eine rein rational-statistisch, eine disziplinarisch, eine altruistisch und eine in höchstem Maße egoistisch. Bei genauem Nachzählen ist mir auch aufgefallen, dass es nun 5 Antworten gibt, aber das mit dem Egoistisch darf man ja nicht laut sagen….
Antwort 1: Rational-Statistisch
Trotz intensiver Recherche konnte ich nicht herausfinden, wie viel verschiedene Weine in Deutschland und weltweit jedes Jahr auf den Markt kommen.
Das hätte ich gerne gewusst, denn je höher die Zahl der potentiell zu verkostenden Weine, je deutlicher rechtfertigt sich jeder zusätzliche Weinblog – nur gemeinsam sind wir stark und können über möglichst viele Weine berichten….das ist die Idee dabei.
Leider gibt es da offenbar keine offizielle Statistik. Die Winzer müssen –in Deutschland- zwar ihre Erntemengen und diese auch nach Rebsorte geordnet melden, aber meines Wissens nicht wie viel verschiedene Weine sie letztendlich ihren Kunden anbieten. Auch die Vergabe der A.P.-Nummern hilft hier nicht vollständig weiter, da diese ja nur an Qualitäts- oder Prädikatsweine vergeben wird und nicht an einfache Tafel oder Landweine. Weltweit kann man diese Zahlen sowieso vergessen.
Also, wer da eine Idee hat, bitte melden.
Dies ist ein Aufruf: Liebe Weintrinker, Genussmenschen, Sommeliers, Weinjournalisten, Vinoholics, wir müssen doch wissen, auf welchem Markt wir uns bewegen.
Ein guter Freund von mir hat das Ziel sich durch alle VDP-Weingüter in Deutschland zu trinken, das ist quantifizierbar (aktuell um die 200 Betriebe mit allein über 500 Großen Gewächsen pro Jahr), ein hohes, aber erreichbares Ziel, weil messbar.
Aber wonach sollen wir denn streben, wenn wir den Gesamtmarkt vor Augen haben. Alle Weine auf der großen weiten Welt und die meisten jedes Jahr mit einem neuen Jahrgang (ja, da soll es auch Ausnahmen geben) und keiner weiß, wie viele das sind. Weiß es einer von Euch? Bitte melden!
Ich habe versucht mich der Antwort dieser Frage irgendwie anzunähern und bin auf einen riesigen, nicht immer wirklich zusammenpassenden Datensumpf gestoßen.
Wer Spaß an meiner Suche hat kann hier weiterlesen, über den Vatikan, geschönte Zahlen, den Weltweinkonsum, etc.
Als Ergebnis meiner Suche gehe ich davon aus, dass allein in Deutschland jährlich über 25.000 verschiedene Weine produziert werden.
Wenn das kein Argument für zusätzliche Weinblogs ist, dann weiß ich es auch nicht, man muss halt nur aufpassen, dass wir nicht alle immer wieder die gleichen Weine beschreiben.
Dieses Argument ist natürlich nicht schön, nicht sinnlich, hat nichts mit Genuss oder Freude am Wein zu tun, hier geht es ausschließlich um disziplinierte, ehrlich, harte Arbeit. Soll keiner Denken, dass ich das Ganze hier aus Spaß mache…..
Antwort 2: Weinphilosophie
Das hat schon mehr mit Spaß zu tun.
Wein ist natürlich mehr als die Summe seiner Analysewerte.
Restzuckeranteil, Säuregehalt, Alkohol, etc., das sind ganz nette Informationen, aber für mich letztendlich völlig uninteressant. Nichts ist weniger sexy als darüber zu diskutieren, ob ein Wein mit 9 Gramm Restzucker pro Liter noch trocken oder schon halbtrocken ist.
Wein ist auch weit mehr als der sehr beugungsfähige aber vielleicht gerade deswegen immer wieder gerne herangezogene Terroirbegriff. Natürlich ist der Boden wichtig, natürlich das Klima, natürlich die – hoffentlich vertrauensvolle – Arbeit des Winzers im Weinberg und im Keller.
Reinzucht-Trockenhefe oder Spontangärung, biologisch-dynamisch oder chemisch-lethargisch – Nein, das war jetzt flach und dem Ernst des Demeter-Kultes nicht angemessen, aber ich habe wirklich ein Problem damit, wenn man ein bestimmtes Gedankengut als das alleinig richtige darstellt. Auch hier ist Vielfalt wichtig. Natürlich kann es nett sein, wenn Winzerin und Winzer nur bei Vollmond und nur mit ein paar Weinranken bekleidet lesen und sicher ist es schön die Maischegärung mit Musik von Mozart zu unterstützen, aber wenn die Schädlinge einmal im Weinberg sind, dann ist es nur vernünftig auch einmal Chemie einzusetzen. Trotz manch anderer verträumter Vorstellungen ist nämlich ein Weingut immer noch zuerst ein Wirtschaftsbetrieb und wenn der Winzer nix verdient, dann gibt´s bald keinen Wein mehr, so einfach ist das.
Allerdings muss ich zugeben, dass das mit dem Winzer und der Winzerin bei Vollmond im Weinberg den Wein schon interessanter macht. Geschichten gehören eben dazu.
Wein ist auch mehr als die Summe der visuell, olfaktorisch und geschmacklich wahrnehmbaren Komponenten. Das ist Wein natürlich im besonderen Maße auch, aber eben nicht nur das.
Wein ist für mich ein unglaublich komplexes Produkt, das für kompletten Genuss nicht losgelöst werden kann von dem, was ich bisher beschrieben habe, aber auch abhängt von der Umgebung, der Stimmung und der Begleitung in der er getrunken wird.
Jeder kennt das.
Der Urlaubswein, genossen auf der Hotelterrasse mit Blick auf die langsam im Meer versinkende Sonne, ein lauer Wind spielt sanft durch das Haar der überaus attraktiven Tischnachbarin – der beste Wein, den Du je getrunken hast. Zu Hause, ohne Meer, Sonne und vor allem Tischnachbarin, landet die widerliche Plörre im Ausguss. Aber war dieser Wein deswegen im Nachhinein im Urlaub schlecht?
Ich finde nicht!
Ein guter Wein ist für mich oft eingebettet in ein Erlebnis, hat eine Persönlichkeit und ruft wildestes Assoziationen hervor, die natürlich nicht immer rational sein können, weil es mir hier um Genuss geht und nicht um „intersubjektiv nachvollziehbare, beschreibende oder vergleichende Wissenschaft“.
Schlimm, schlimm, manchmal (gar nicht so selten) erzählt mir ein guter Wein auch eine Geschichte, das ist dann besonders schön, dann bekommt er schon fast menschliche, kumpelhafte Züge und, ja, in meinem Weinkeller sitzt ein Skelett, das heißt Hugo und in meinem Wohnzimmer schwirren manchmal kleine fliegende Teppich herum. Das ist normal. Alles gut.
Damit verlasse ich natürlich den Bereich der auch nur annähernd nachvollziehbaren und vergleichbaren Beschreibung. Das ist mir bewusst, aber vergleichende, von verschiedenen Weinkennern nachvollziehbare Beschreibungen gibt es genug und in hervorragender Qualität. Das ist, ohne Ironie und Schabernack, ein ganz wesentlicher Bereich der Weinkultur. Jene Connaisseurs, die ihre sensorischen Eindrücke nachvollziehbar aufzeigen können haben meinen größten Respekt und auch ich werde mich – bescheiden – daran versuchen, aber Wein geht für mich über diese Beschreibungen hinaus.
Mein Vorgehen ist vollkommen genussorientiert und soll meine Erlebnisse mit Wein beschreiben, so der Kerngedanke.
Das ist – für mich – der Hauptgrund diesen Blog anzugehen.
Antwort 3: Disziplinarisch
Ich möchte diesen Blog auch schreiben, um ein bisschen Ordnung in meine kleine Weinwelt zu bringen. Kleine Notizen zusammenfügen, Informationen, die wild herumschwirren eine Form geben, etc.
Es ist sicher auch gut mit einem so vielfältigem und tollem, aber, da alkoholhaltig, auch gefährlichem Produkt, bewusst umzugehen. Dazu trägt niederschreiben bei.
Wow, das war ernst, aber Disziplin ist ja auch eine ernste Sache.
Antwort 4: Altruistisch
Oh ja, die Liebe in die Welt bringen!
Nein, viel weniger: Vielleicht gefällt ja sogar irgendwem das was ich hier von mir gebe. Wenn ich durch diesen Blog ein Schmunzeln, ein Lächeln, vielleicht sogar ein Lachen, eben ein bisschen Freude entstehen lassen kann, dann habe ich gewonnen und alles erreicht. (Ziemlich theatralischer Auftritt, mein Avatar kotzt gerade und ich knie auf einer großen Bühne vor einem imaginären Publikum, habe das vor der Klammer geschriebene gerade inbrünstig zitiert und lasse nun mit bebenden Lippen mein Haupt auf meine Brust sinken. Echt schwer, das mit dem ernst bleiben.)
Antwort 5 von 4: Höchst egoistisch
Das ist der Plan: Ich habe einfach Lust diesen Blog zu machen (das ist noch nicht der Plan, der kommt jetzt) und vielleicht schickt mir ja irgendjemand Wein, den ich dann hier bespreche.
Dann hätte ich Spaß und Wein und müsste nix dafür zahlen……