Grauburgunder 2014 vom Weingut Bauer

Vorweihnachtszeit und volle Power im Büro.

Ich brauche dringend einen neuen Schreibtisch, denn der Alte ist voll. Jetzt ist aber erst mal Feierabend, die Tischplatte unter dieser amorphen Masse von Zetteln kann ich morgen auch noch suchen, vielleicht findet in dieser Nacht ja auch eine spontane tektonische Plattenverschiebung statt und das unweigerlich folgende Erdbeben führt dazu, dass sich dieses Meer aus Papier mosaisch teilt und morgen früh ein kleiner Platz zum Abstellen der Kaffeetasse entstanden ist. So wenig könnte glücklich machen…..

Aber jetzt:

Bald taucht die Familie auf und dann gibt es eine anständige Brotzeit!

Nach dem Tag jetzt bloß keinen komplizierten oder anstrengenden Wein dazu, keinen zum groß Drübernachdenken oder analysieren, nur ja kein Großes Gewächs.

Dieser Abend schreit nach einem einfachen, ehrlichen, schönen* Brot- und Butterwein (* „schön“ in Verbindung mit Wein geht eigentlich gar nicht und ist ein Ausdruck gustatorischer Legasthenie, drückt aber leider an diesem Abend genau das aus, was ich wirklich möchte, es soll einfach nur schön sein…).

Mal schauen, prima, wir waren vor ein paar Wochen an der Mosel und haben das Weingut Bauer in Mülheim besucht (nur wenige Meter vom Weinromantik Hotel Richtershof entfernt, beide sehr zu empfehlen), von dort haben wir unter anderem einen Grauburgunder mitgebracht.

€ 5,50 – in der klaren Flasche schimmert er mir leicht grünlich, frisch und fruchtig entgegen. Ja, ich denke, Du bist der Richtige für heute Abend, einfach, easy, entspannt.

Den Tisch habe ich mittlerweile gedeckt, die Familie ist noch nicht da, dann kann ich meine Pflicht als Vorkoster schon mal erfüllen:

Der Schraubverschluss knirscht, ein kleiner Schluck ins Glas, zweimal schwenken – im Hinterkopf registriere ich, dass Adele aus dem Radio dringt, „Hello“, das mag ich – oh, schöne Nase, feine Frucht, Birne und dann HELLO, das gibt`s nicht, dieser vermeintliche Winzling explodiert, springt aus dem Glas, macht sich ganz groß und hat mich mit einem einzigen Schluck gefangen. Birne, Honig, Rosinen, Mandeln, ganz viel Mandeln und ganz hinten, oben am Gaumen, kurz bevor es in den Rachen geht, manifestieren sich lodernde Spielformen von Vanille und bleiben und bleiben und gehen gar nicht mehr weg. Ich atme ganz vorsichtig ein und aus, jetzt keine Hektik, nur genießen.

HELLO – aber da ist noch mehr, dieser eigentlich einfache Qualitätswein eröffnet mir eine ganz neue Wahrnehmungswelt, entwickelt eine Harmonie, noch mehr, eine Symbiose mit Adeles Lied, rührt mich ganz tief und beginnt zu erzählen, melancholisch, vielleicht nur vom letzten Sommer, von der Zeit des Wachstum und der Stärke im Weinberg, vielleicht von einem anderen Leben, tief begraben unter so vielen anderen Erinnerungen – das Vergangene bleibt nie zurück, wir häufen es immer weiter an…(sorry, philosophisch-melancholische Abschweifung, gehört eigentlich nicht hier hin, kann aber in Verbindung mit Wein schon mal passieren…)

  • Silvaner zum Spargel
  • Barolo zum Hirschrücken
  • Grauburgunder von Bauer zu Adeles „Hello“

Leute vesucht das einfach mal, lasst Euch drauf ein und lasst Euch mitreißen, öffnet diesen Grauburgunder zu „Hello“ – das ist der Knaller!

Welchen Wein zu welchem Essen, welchen Wein zu welcher Musik, welchen Wein zu welcher Stimmung, welcher Wein zu welcher Gesellschaft, welchen Wein zu welchem Buch, zu welchem Gedicht?

Hier eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten, neue Erlebnsiwelten. Ganz schön viel zu tun….

Mehr zum Weingut

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.