Weinolsheimer Kehr Pinot Noir „Julius“ 2012 vom Weingut Manz

Das Geheimnis der schwarzen Hand

ManzJuliusHand

Benannt nach dem Sohnemann der Familie, der gleich eine deutlich Handschrift auf dem Etikett hinterlassen hat. Ein Spätburgunder, der 12 Monate im „Julius“-Fass gereift ist. Es handelt sich um eine limitierte Abfüllung – ich durfte mich an der Nr. 110 erfreuen (platte Anspielungen zur Notrufnummer erspare ich mir, ich wollte bei diesem Wein mit niemandem mehr reden, schon gar nicht telefonieren und noch viel weniger irgendwen herbeirufen, der dann womöglich auch noch kommt und mich stört oder sogar „helfen“ will).

Also, wenn einem so etwas in die Wiege gelegt wird… eigentlich müsste der heranwachsende Filius jeden Abend seine Lippen mit diesem Spätburgunder benetzen, damit er verinnerlicht, was er später der Welt zu schenken hat.

ManzJulius2012Ein so wohl gelungenes, schon in jungen Jahren, so rundes, weiches und doch gehaltvolles, subtiles Werk ist Ansporn und Bürde zugleich.

In diesem Duft kann man sich verlieren, das ist kein Kämpfertyp der sich ständig unter Ausstoßen gutturaler Laute auf die gestählte Brust haut, kein testosterongesteuertes Alpha-Männchen, sondern ein in sich ruhender philosophischer Weltbetrachter. Ganz mild strömen typische Noten nach Holz, Erde und sogar Lakritz aus dem Glas und formen ein zufriedenes und doch schalkhaftes Lächeln auf die Lippen. Zurücklehnen, sich ins Sofa kuscheln, Schuhe aus und Füße hoch. Man muss gar nicht auf einen Tisch klettern, um die Welt aus einer anderen Perspektive zu sehen.

Am Gaumen – und es dauert lange, bis der Wein an selbigen kommt, weil das Riechen doch so schön ist – dann Cassis, etwas Kirsche, dunkle Beeren, aber vor allem wieder Holz, Erde, Schokoladenrauch (gibt es nur im Wein und ich habe ihn entdeckt) , dazu eine angenehm milde Säure, die etwas belebt und Bewegung in den Wein bringt, sonst wäre so viel Harmonie auch nicht auszuhalten, denn auch hier ist der Julius ein völlig rundes, in sich ruhendes Universum, in dem immer wieder neue Nuancen zu entdecken sind. Sich selbst genug – die Karte kann man mit diesem Wein wirklich gut spielen.

Ein mittlerer Abgang, nie das Gefühl Vorsicht walten lassen zu müssen, oder plötzlich zu viel zu haben (sowohl an Alkohol, als auch an überbordernder Geschmacksintensität) lassen den Abend extrem entspannt dahingehen.

Weingut Manz Weinolsheimer Kehr Pinot Noir „Julius“ 2012 – sehr gern gezahlte € 18,50

 

 

 

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