Triga 2013 von den Bodegas Volver Ordonez

Bloodstream – After Dark

Flying Fox or fruit bat over dark sky

Ein unwirklich großer Mond schwebt tief über einer südspanischen Hafenstadt, eingehüllt in das blutrote Kleid einer heraufsteigenden Mondfinsternis.

Langsam beginnt die Stadt die lähmende Hitze des Tages wieder abzustoßen. Auf diesen Moment scheint alles gewartet zu haben. Wie aufgestaut bahnt sich ein pulsierender Strom von Leben den Weg in die Gassen, strebt zu den beleuchteten Plätzen, nimmt die Prachtstraßen ein und ergießt sich in die Cafés und Restaurants. Eine erhitzte, wallenden, befreite Welle auf der Suche nach Sinnlichkeit. Essen, Trinken, Reden, Feiern, Lieben, einfach Mensch sein. Doch die Stimmung ist nicht ungetrübt, immer wieder schweifen die Blicke hinauf zu dem unheilverkündenden Mond. Diese Nacht ist anders. Die Schatten in den Nebenstraßen verändern sich, etwas mischt sich mit den lockenden Düften aus den Garküchen und dem vibrierenden Parfum der Frauen.

Die Alten werfen sich stumm ernste Blicke zu.

Vielleicht sind nicht nur die Menschen erwacht.

Bloodstream – After Dark.

Kruzifixe und Weihwasser sind wirkungslos, dass Knoblauch sie fernhält ist ein Ammenmärchen, aber ich glaube, es ist dieser Wein, der sie davon abhalten könnte ihre spitzen Zähne in die Halsschlagadern Eurer Frauen und Töchter zu schlagen.

Triga 2013 von den Bodegas Volver Ordonez aus D.O. Alicante

triga2012Dunkelrot, fast schwarz, fleischig-nahrhafte 15,5 Vol.%, eine schwere, lustvolle, barocke Sinnlichkeit, die mich an sich zieht. Der erste Vampirwein, den ich trinken darf. Und schon während ich diese Zeilen schreibe bemerke ich Veränderungen in mir. Meine Sinne schärfen sich, ich öffne mich einer anderen Welt, nichts ist mehr so, wie es die Schulweisheiten vermittelt haben. Ist das nun das Eintreten in diesen schamanisch-transzendenten Zustand, den uns ein kräftiger Wein manchmal gewährt, diese Welt zwischen Nüchternheit und Rausch, oder muss ich damit rechnen schon diese Nacht mit den Füßen an der Decke hängend, oder den nächsten Tag in einer dunklen Holzkiste schlafend zu verbringen?

Schwirrende Sinne.

Wäre ich ein Vampir, wäre das mein Methadon.

Aus dem Glas steigt – alkoholbedingt – eine wallende Hitze auf, als wäre dieser heiße Tag irgendwie im Wein gespeichert, um sich jetzt, nach Einbruch der Dunkelheit – after Dark -, seinen Weg in die Nacht zu suchen. In der Nase ganz viel Schokolade, unterlegt mit rauchigen Noten, Zedernholz und Pflaumenmus.

Ein perfekter Übergang zu den seidigen Tanninen im Mund, eine Fülle von Erde und Boden und Kraft. Dann eine Fruchtsüße, die mit dem Holz und dem Rauch spielt, eine süße Kräutrigkeit von Thymian und Rosmarin.

Ein langer, anhaltender Abgang, der eine triebhaft, fleischliche LUST AUF MEHR auslöst. So langsam steigt mein Respekt vor der Zurückhaltung der Edwards und Carlisles erheblich.

Triga 2013 von den Bodegas Volver Ordonez, ca. 85% Monastrell und 15% Cabernet Sauvignon, 20 Monate Reife in französischen Barriques, so um die € 32,50.

P.S. Jetzt mal im Ernst. Während ich das hier alles erquicklich beweint vom Glas in die imaginäre Feder fließen lasse, sitze ich spät abends unter dem phantastischen Sternenhimmel einer spanischen Nacht. Nur gedämpft dringen ferne Geräusche zu mir – irgendwo feiern sie wieder dieses Christen-und-Mauren-Ding – und außer dem Laptop gibt es hier keine Lichtquelle. Da huscht plötzlich, völlig lautlos, ein Schatten über mich hinweg, blitzschnell, dann noch einer, drei, vier (nach vier kommt, glaube ich, ganz viele). Leute, das sind wirklich Fledermäuse und: manchmal weiß auch ich wann Schluss ist. Ich geh´ jetzt ganz schnell rein und schließe die Tür gut ab. 15,5 Vol.%, da muss man die Flasche nicht austrinken…..

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