Die Lage des Clos de Tavannes ist nobel. Burgund, südliche Côte de Beaune, direkt neben der 1er-Cru-Lage Les Gravières, die noch zur Appelation Santenay gehört, und auf der anderen Seite die Grenze bildend zur Weltmacht Chassagne-Montrachet mit seinen drei Grand-Cru-Lagen (Le Montrachet, Bâtard-Montrachet und Criots-Bâtard-Montrachet – wie man sich zumindest die Namen der 5 weißen Grands Crus du Montrachet merken kann, findet Ihr hier ! Dieses Wissen ist wichtig, macht wichtig und schindet – richtig, d.h., beiläufig, verwendet, brutal Eindruck).
Im klassischen Nachbarschaftsverständis bewegen wir uns also hier nicht unbedingt in Köln-Chorweiler oder Berlin-Marzahn. Beverly-Hills scheint da schon eher vergleichbar zu sein, obwohl ich das Burgund als Wohngegend natürlich immer vorziehen würde.
Das Burgund ist grundsätzlich verwirrend. Eine Vielzahl von definierten Lagen, eine unüberschaubare Anzahl von Winzern, denen kleinste Parzellen in verschiedensten Lagen gehören, in denen sie grundsätzlich ihr eigenes Ding abziehen, man also nicht unbedingt von der Lage auf die Qualität des Weines schließen kann.
Diese Kleinstparzellen sind eine Folge des napoleonischen Erbrechts, von dem wir in Deutschland auch linksrheinisch, an Ahr und Mosel-Saar-Ruwer betroffen sind. Das Ergebnis ist einerseits Vielfalt, andererseits wurden die Einheiten zumindest in Deutschland oft so klein, dass eine Bewirtschaftung nicht mehr auskömmlich war und so Weinanbaugebiete verödeten.
Im Burgund entwickelten sich als Folge dieser Zerstückelungen die Négociants-Eleveurs, Weinhandelshäuser, die den neuen Wein oder eben die Trauben von vielen kleinen Winzern aufkaufen, um ihn gegebenenfalls mit Wein aus den gleichen Lagen oder Regionen zu mischen und entsprechend auszubauen. Ob da dann später in der Flasche immer das drin ist, was draufsteht, darf man sich schon mal fragen, gerade in schwierigen Jahren. Andererseits haben diese Négociants natürlich auch das Potential echte Qualität mit regionalem Charakter entstehen zu lassen.
Viele Winzer fahren eine Kombination aus eigenem Anbau und Traubenzukauf, was insgesamt die Verwirrung noch mehr steigert, denn auf den ersten Blick ist es kaum möglich herauszufinden, was hinter dem Wein steht.
Vincent Girardin zum Beispiel hat alleine 5 Grands-Crus-Lagen im Programm, dazu noch über vierzig (40 !!) Weine aus Premiers-Crus und Villages-Lagen. Begonnen hat alles damit, dass Vincent 2 Hektar Weinland von seinen Eltern übernommen hat, heute besitzt das Weingut rund 22 Hektar und kauft darüber hinaus kräftig Trauben zu.
Bei der Arbeit im Weinberg verzichtet man auf chemischen Dünger oder Herbizide, der Boden wird mit dem (Pferde-) Pflug bearbeitet, die Trauben von Hand gelesen und mehrfach selektiert, auch das zugekauft Material. So naturnah wie nur irgend möglich, aber nicht einem ins esoterisch abgleitende Ausschließlichkeitswahn unterworfen – das ist sympathisch und vernünftig.
Hier sind echte Qualitätsfanatiker am Werk, auch wenn Vincent Girardin
vor einigen Jahren sein Unternehmen verkauft hat, die Grundausrichtung (und auch der Name) ist erhalten geblieben. Diese steht für echte Qualität und das intensive Bemühen die einzelnen Lagen im Wein zum Ausdruck zu bringen.
Das ist auch beim 2011er Premier Cru Santenay Clos de Tavannes gelungen. Für burgundisch entspannte € 32,00 erhält man einen Chardonnay der einfach stimmt, der passt, der „richtig“ ist. Sehr subtil und elegant kommt er daher, geschmeidig, mit tollen, aber immer gut integrierten Holznoten, frisch und doch cremig, voll, aber irgendwo auch noch jugendlich mit einer manchmal fast spritzig anmutenden Säurestruktur, sehr animierend, schöne Toastnoten, aber nie erschlagend. Mango, Ananas, Haselnuss, geschmolzene Butter, Honig, Vanille, alles drin und inklusive! (Wenn man das alles einzeln kaufen müsste, wäre man auch bei € 32,00, hätte aber noch keinen Alkohol…)
Also, ganz hoher Spaßfaktor!
Dazu ein toller Speisebegleiter: Versucht den Mal zur echten Finkenwerder Scholle, mit Speck und Bratkartoffeln – ein Traum…..