2011er Spätburgunder Sekt „brut nature“ aus dem Hause Clemens Busch, Pünderich/Mosel
Ein Blanc de Noire in klassischer Flaschengärung, zero Dosage, ungeschwefelt. Teil eines Paketes, das sich mit dem Thema Naturweine beschäftigt hat und kurz vor Weihnachten 2016 in kleinen Mengen ausgeliefert wurde. Alle in diesem Paket befindlichen Weine sind nicht auf der normalen Angebotsliste des Weingutes zu finden und wurden nur in kleine Mengen, als Experiment hergestellt……macht schon eine lange Nase und weckt Begehrlichkeiten, oder? (Mein innerer Schweinehund setzt gerade seine Sonnenbrille auf und singt die ganze Zeit „ich hab` sie und Ihr nicht, ich hab´ sie und Ihr nicht“ vor sich hin – unsozialer Mistkerl, möge er für den Rest dieses Berichtes schweigen.)
Nein, bitte jetzt nicht in die falsche Richtung denken, das war kein Marketing-Gag, um Höchstpreise für künstlich limitierte Mengen zu erzielen. Weit gefehlt, denn das Paket bestehend aus 6 Flaschen unterschiedlicher Weine war zu moderaten € 93,00 incl. Versand erhältlich. Es war tatsächlich ein Experiment. Mit Clemens Busch ist hier nämlich ein Winzer zugange, der auch nach jahrzehntelanger Arbeit im Weinberg und gutem Erfolg immer noch neugierig, umtriebig und verliebt in sein Produkt und die Möglichkeiten ist, die es bietet. Das Experimentieren mit Naturweinen hat natürlich eine ganze Menge von „back to the roots“ und findet Anlehnung an das Winzertum von vor 500 Jahren. Nun bin ich mit Sicherheit keiner der zurück will in die gute alte oder noch ältere Zeit. Strom aus der Steckdose finde ich prima, die Erfindung des wassergespühlten Klosets zählt meiner Ansicht nach zu den Top 10 aller menschlichen Errungenschaften und eine Leben ohne Thermomix ….nein, es gibt Grenzen.
Bezogen auf den Wein bedeutet das, dass die meisten technischen (und chemischen) Möglichkeiten, die sich in einigen tausend Jahren Wein(kultur)geschichte entwickelt haben, zu einem qualitativ hochwertigen und genussreichen Produkt geführt haben und ich diese Möglichkeiten und deren Einsatz nicht missen möchte. Und trotzdem oder gerade deswegen ist es unglaublich spannend, wenn man einige der sonst üblichen Methoden oder Mittelchen einfach einmal weglässt und schaut, was geschieht. Nicht um nur noch so zu arbeiten, sondern um eine zusätzliche Vielfalt zu erfahren. Ich mag gut gemachte Grünkernbratlinge, deswegen muss ich aber noch lange kein Vegetarier werden.
Was versteht Clemens Busch unter Naturwein?
- öklogisch, bzw. biodynamisch soll der Anbau sein
- Spontanvergärung, ohne Zusatz von Reinzuchthefen
- Längere Maischestandzeiten oder Maischevergärung
- Keine, oder nur minimal Schwefelung
- Überwiegend unfiltriert geht es hier zu
Das ist ganz schön viel auf einmal und so ist auch der Blanc de Noir.
Ganz viel Fleisch in der Nase und im Abgang, sehr kraftvoll, eine fast archaische Wildheit mit langem Nachhall, kein nettes Sektchen für den Garten, sondern ein toller Sparringspartner den ich mir auch sehr gut zu einem gebratenen Fleisch vorstellen kann. Umami in Reinkultur, breitet sich sehr aus, bleibt ganz lange bestehen und irgendwann mischen sich zum Fleisch auch so etwas wie florale Noten. Vor dem Hintergrund Naturwein und dem „machen wir es doch so, wie man das früher mal gemacht hat“ steigt, das Bild eines urzeitlichen Höhlenbewohners auf, der genüsslich an seiner Mammutkeule nagt, während die werte Gattin ihm ein nicht zu kleines Gläschen dieses außergewöhnlichen Schaumweines kredenzt. Bleiben wir bei plattem Schubladendenken, dann ist das hier sicher ein Männersekt, einer mit dem man ringt, sich reibt und ihn mit jeder Runde mehr zu schätzen lernt. Ja, ich glaube, das könnte ein Kumpelding werden mit mir und ihm. Nochmal, kein Sekt für jede Gelegenheit, nicht everybody´s darling (ganz bestimmt nicht), keiner mit dem man verführt (Moment, vielleicht doch, aber dann wird es sehr wollüstig und oriastisch und…aber jedem seine eigene Phantasie), sondern einer der fordert, der nicht viel neben sich zulässt, kein Plappersekt, sondern einer der alles andere ausschließt, vor Kraft strotzend, urtümlich, wild und furchtbar interessant. Gelungen, toll, man möchte einen Glückwunsch aussprechen an Clemens Busch, aber mit Glück hat dieser Sekt nicht viel zu tun, sondern mit harter Arbeit und jahrelanger Erfahrung. Chapeau, da verzeihe ich manch vergrabenes Rinderhorn im Weinberg und sage einfach „Danke“ für das spannende Erlebnis.