Von einem der Auszog herauszufinden, wie viele verschiedene Weine es gibt und sich im Wald der Zahlen verirrte
Ein Gedankenexperiment:
Weltweit werden ca. 270 Millionen Hektoliter Wein produziert (Quelle: OIV), das sind also 27.000.000.000 Liter, bei der gängigsten Flaschengröße von 0,75 l, wären das ca. 36 Mrd. Flaschen.
Konsumiert werden ca. 240 Millionen Hektoliter, als umgerechnet 32 Mrd. Flaschen.
Bei einer Weltbevölkerung von etwas über 7 Mrd., also knapp 5 Flaschen pro Mensch, pro Jahr, inclusive aller Kinder, aller Menschen, die einfach keinen Markzugang zu Wein haben, und aller die aus religiösen oder sonstigen Gründen keinen Wein trinken.
Mmh, eigentlich glaube ich das nicht, no way, das kommt niemals hin, hier stimmt was nicht….(obwohl wir ja den Vatikanstaat in die Kalkulation mit einbeziehen müssen, der bekanntermaßen den höchsten pro Kopf Konsum von Wein weltweit aufweist – 54 Liter (Quelle. Wineinstitute), da leben aber nur rund 850 Leute – Männer wohlgemerkt in bestem Weintrinker-Alter, mit gutem Einkommen, ohne Frauen, ja was bleibt da…, andererseits gibt es aber auch noch Indien, da leben weit über 1 Mrd. Menschen mit einem pro Kopf Konsum von nur 0,01 Liter pro Mensch pro Jahr….).
Das mit dem Vatikan glaube ich auch nicht. 54 Liter pro Kopf pro Jahr, das ist ein schlapper Liter pro Woche, hallo, ein fleißiger Vertreter des Herrn schafft das wahrscheinlich alleine schon über den Messwein. Wobei der ja möglicherweise gar nicht in die Statistik eingeht, weil das ja laut katholischer Definition kein Wein mehr ist.
Außerdem bin ich überzeugt, dass in diese Statistik nur der tatsächlich im Vatikan konsumierte Wein eingegangen ist, aber wo gehen die Herren nach getaner Arbeit abends (oder auch mal mittags) Essen? Genau, die verlassen den Vatikan und machen es sich in einer schönen Trattoria auf italienischem Boden gemütlich, und da fließt sicher der eine oder andere gute Rote ins Glas und danach die Kehle hinunter.
Das ist übrigens natürlich keine Kritik am römischen Klerus, nur an der Kurzsichtigkeit die auf zu großer Statistikgläubigkeit fußt.
Aber zurück zum Gedankenexperiment.
Das kalifornische Wineinstitute kommt in einer aktuellen Statistik (http://www.wineinstitute.org/resources/statistics) auf einen pro Kopf- Konsum von 3,44 Liter Wein weltweit, damit wären wir dann tatsächlich fast bei den 5 Flaschen pro Mensch (24 Mrd. Liter von 7 Mrd. Menschen konsumiert, umgerechnet auf die 0,75 Literflasche). Ich glaub´s trotzdem nicht, irgendwie erscheinen mir diese ganzen Zahlen alle voneinander abgeschrieben und: „Glaube keiner Statistik, die Du nicht selbst….“, aber bitte. Keine Ahnung, ob in diesen Zahlen nicht auch der Wein enthalten ist, der z.B für die Branntweinproduktion, oder ähnliche Produkte eingesetzt wird.
Eine andere Statistik (Statista.com) beziffert den jährlichen Umsatz der Weinbranche weltweit mit ca. 8,9 Mrd. € bei 32 Mrd. konsumierten Flaschen (siehe oben) wären das schlappe 0,28 € pro Flasche und das, wo über 55% der weltweiten Weine aus Frankreich, Italien, Spanien und den USA kommen…In Deutschland wird der Durchschnittspreis pro Flasche immer wieder mit ca. € 3,44 genannt (eigentlich € 2,58/Liter, aber ich denke lieber in Flaschen und in diesem Preissegment am liebsten gar nicht und wenn dann nicht auch noch über Literflaschen nach, was unlogisch ist, ich weiß…., will aber trotzdem nicht…). Nehmen wir ganz vorsichtig an, dass der weltweite Wein-Durchschnittspreis eher bei 1,00 € / Flasche liegt (ich kriege grade Kopfschmerzen und Schüttelfrost), dann würden weltweit jährlich ca. 9 Mrd. Flaschen Wein getrunken.
Offenbar liegt die Wahrheit also irgendwo zwischen 32 und 9 Mrd. Flaschen, ich denke näher an den 9 Mrd., vielleicht habe ich aber auch die Großgebinde, 5-Liter-Tetra-Packs, Direktinfusion, etc. einfach unterschätzt.
Egal, wir machen nur Gedankenspiele. Die 9 Mrd. Flaschen an die ich glaube sind also nur rund 28% von den aus offiziellen Zahlen errechneten 32 Mrd. Flaschen. Wir haben also einen „Skepsisfaktor“ von 28%, die ich als Untergrenze ansetze.
Jetzt wird´s noch hypothetischer: In Deutschland sollen pro Jahr ca. 9,3 Millionen Hektoliter produziert werden, das wären ca. 1,2 Mrd. 0,75 l Flaschen. Skepsisfaktor von 28% drauf und ich glaube eher an rund 350 Mio. Flaschen. Bei ca. 19.000 aktiven Weinbaubetrieben (Deutsches Weininstitut) wären das ca. 18.500 Flaschen pro Weingut, könnte passen (wobei das durchschnittliche VDP-Weingut jährlich ca. 165.000 Flaschen produziert, das bei rund 200 Betrieben, wären schon 33 Mio. Flaschen und die VDP-Mitglieder repräsentieren nur 2,6% der deutschen Erntemenge, was in Gesamtdeutschland wiederum zu den aus offiziellen Zahlen errechneten 1,2 Mrd. Flaschen führen würde, ich werde gerade wahnsinnig).
So und jetzt mit Gefühl: Gefühlt hat ein deutsches Weingut im Durchschnitt pro Jahrgang bestimmt 10 Weine im Angebot (rot, weiß, Sekt, verschiedene Trauben, trocken, süß, etc.), auch wenn es einige Spezialisten mit nur 2-3 Weinen gibt liege ich da wahrscheinlich eher auf der sicheren, niedrigeren Seite.
Das wären also alleine in Deutschland bei 19.000 Weingütern ca. 190.000 verschiedene Weine pro Jahr, seien wir vorsichtig und nehmen davon die Hälfte, also ca. 95.000 Weine pro Jahr (oder etwa 5 pro Weingut…). Davon wieder die Hälfte, weil ja sehr viele Betriebe nicht direkt vermarkten, sondern an Genossenschaften oder Großbetriebe liefern. Also können wir von ca. 50.000 verschiedenen Weinen in Deutschland pro Jahr ausgehen, selbst wenn es nur die Hälfte wären, also 25.000…..Ganz schön viel Arbeit.
Sicher kann man das jetzt nicht linear auf die ganze Welt hochrechnen – ist eigentlich noch irgendjemand bei mir ? -, denn die Weinbaustruktur in Deutschland ist ja eher durch viele kleine Betriebe mir breiter Angebotsstruktur gekennzeichnet. Nehmen wir also an, dass der durchschnittliche internationale Weinbaubetrieb 10 x größer ist als der Deutsche, dann würde das durchschnittliche internationale Weingut also zwischen ca. 10 x 18.500 Flaschen = ca. 185.000 Flaschen (Skepsismenge) und 630.000 Flaschen (Menge aus der offiziellen Statistik) pro Jahr produzieren.
9 Mrd. Skepsisflaschen gesamt verteilt an 185.000 Produktionsflaschen pro Winzer führten zu rund 50.000 Winzern weltweit.
32 Mrd. Statistikflaschen gesamt verteilt an 630.000 Statistikflaschen pro Winzer führen natürlich ebenfalls zu rund 50.000 Winzern, was daran liegt, dass ich den Skepsisfaktor auf alle Varianten angenommen habe. Es wird gerade ziemlich wackelig. Dazu nachher noch ein paar Gedanken.
Nehmen wir wieder den Holzhammer und behaupten, dass weltweit die Hälfte aller Winzer ihren Wein an Genossenschaften oder Großbetriebe verkauft, also „nur“ 25.000 Winzer weltweit eigenen Wein auf Flaschen ziehen. Wir gehen auf diesem dünnen Eis weiter und behaupten, dass jeder Winzern im Schnitt 5 Weine anbietet (das ist jetzt echt vorsichtig) und das führt zu jährlich über 125.000 verschiedenen Weinflaschen, die es zu probieren, zu beschreiben und zu bloggen gilt. Wenn das jetzt kein Argument für einen weiteren Blog war, dann weiß ich es nicht.
Ich sehe gerade nur noch Zahlen, leere Flaschen und gefährliche Löcher in meiner Argumentation, aber ich glaube, ich habe die Zahlen so heruntergebrochen, dass diese 125.000 verschiedenen Weine pro Jahr weltweit wahrscheinlich das absolute Minimum darstellen. Es war ja nur ein Gedankenexperiment, das zeigen soll, wie groß die Weinwelt ist und wie viel es zu tun gibt…
Zerreißt mich für diese holprige Gedankenkette, ich bin gespannt!