Weingut Fritz Allendorf, Quercus Pinot Noir 2013

Göttliche Eingebung

Quercus –   lat. „Eiche“

Die Eiche galt in der griechischen Mythologie als Baum des Göttervaters Zeus.

In der antiken griechischen Stadt Dodona befand sich das Eichenorakel, das nach Delphi bedeutendste Orakel Griechenlands. Drei weißgekleidete Frauen vernahmen aus dem flüsternden Rauschen der Blätter die Stimme des Göttervaters und übermittelten dessen Botschaften in mehr oder weniger klaren Worten an die Menschheit.

So war es in der guten alten Zeit.

Nun, die Geschäfte mit Orakeln dieser Art liefen irgendwann immer schlechter, andere Götter mit anderen Weissagungskanälen tauchten auf und das herumspringen mit weißen Kleidchen in Eichenhainen fand gesellschaftlich zunehmend keine Beachtung mehr. Also fällte man die Eiche, um daraus etwas Sinnvolles zu bauen. Zeus – in seinem Stolz tief gekränkt – erzählte überall in der Götterwelt herum, dass er schon lange keine Lust mehr auf Herumsäuseln in Eichenblättern gehabt hätte, dass man ja mit der Zeit gehen müsse und dass das Fällen des Baumes nur eine Folge seines Fernbleibens gewesen wäre. Diese zeitliche Abfolge nahm ihm aber keiner ab, er fühlt sich gemobbt und zog sich folglich schmollend zurück.

Damit wäre dieses Kapitel der griechischen Mythologie eigentlich beendet und abgeschlossen, aber Geschichten gehen immer irgendwie noch weiter, wenn auch nicht immer ganz offiziell.

Was nun folgt wissen nämlich die Wenigsten.

Zeus war wirklich zu bedauern. Die ganzen neuen Götter und das zunehmende Herumwissenschaften der Menschen machten ihn überflüssig, keiner brauchte ihn mehr, keiner glaubte mehr an ihn und plötzlich hatte er einfach nichts mehr zu tun. Ausgebootet, draußen, vom Allvater zum beschäftigungslosen Frührentner in wenigen Momenten. Klassischerweise hing er nur noch zu Hause rum, nervte, nörgelte, ging seiner Frau Hera tierisch auf die Nerven und wusste nichts mit sich anzufangen.

Um den häuslichen Frieden zu bewahren nahm sich Hera ihren Götterkollegen und Sohn des Zeus, Dionysos, zur Seite. (Dass Dionysos nicht der Sohn der Hera war hängt mit der moralisch äußerst verwerflichen Lebensweise der griechischen Götter zusammen, tut hier aber nichts zur Sache.) Dieser war, als Gott des Weines, weniger betroffen von der Abkehr der Menschen und wusste auch sehr schnell Rat.

Dein Mann braucht eine Beschäftigung, Abwechslung, Unterhaltung, eine Perspektive! Ich glaube, ich habe da so eine Idee.“

Flugs machte sich Dionysos auf, nahm Menschengestalt an, kaufte die Orakeleiche, ließ daraus Fassholz herstellen und verteilt es seitdem an Küfer auf der ganzen Welt.

Heute ist mir klargeworden, dass ein Stück von diesem Holz in einem der Barriques Verwendung gefunden haben muss, in denen der Quercus vom Weingut Allendorf 24 Monate reift. Und, siehe da, Zeus hat einen neuen Kommunikationsweg gefunden, er redet wieder zu den Menschen, nicht mehr flüsternd durch die Blätter, sondern kraftvoll emporsteigend aus dem Wein heraus (zugegeben, von Glas zu Glas hört man ihn besser, aber das sind unwesentliche Feinheiten, die nichts am Grundsätzlichen ändern, Zeus ist wieder da, ihm geht´s gut, hat eine neue Aufgabe und offenbar auch mächtig Spaß daran).

Nachdem ich das nun weiß, lausche ich ehrfürchtig seinen Worten. Die entführen mich in eine warme Sommernacht, die sich würzig-kräutrig, mit ganz dezenten, weichen Holznoten aus dem Glas herauswölbt. Ich lasse mich einfangen von weichen Kirscharomen, Cassis, etwas Schokolade und einem von weit hergetragenem milden Pfefferduft. Weich, weich, weich, fast zärtlich ist dieser Pinot Noir in der Nase und das setzt sich am Gaumen fort. Rund, ausgewogen, wieder weich und doch vollmundig, natürlich sind da noch Tannine, auch Säure, die dieses grandiose Mundgefühl subtil aufpeppen, aber beides ist so elegant eingebunden, dass man kaum einzelne Aromen herausgreifen möchte. Der Quercus wirkt viel leichter als er mit seinen 13% eigentlich ist, er ist fruchtig-saftig und doch trocken, tief und doch mild, hält an und in Atem, wie ein roter Seidenschal den zarte Hände von hinten über Deine Augen legen, baut Spannung auf, wie ein fordernder Hauch geformt von roten Lippen, die Du plötzlich ganz nah an Deinem Ohr spürst, aber……. wieso habe ich plötzlich dieses blöde weiße Kleidchen an und tanze damit um diesen Tisch?

Wein ist flüssige Mystik und nicht immer das, was er zunächst zu sein scheint. Das hat man im Weingut Allendorf verstanden, als Stichworte seien hier nur Harry Potter oder die Wein-Erlebnis-Welt genannt, aber da solltet Ihr selbst nach stöbern.

Der Quercus, als Lieblingswein des Betriebsleiters Josef Schönleber, ist im aktuellen 2014er Jahrgang für sensationelle € 18,00 zu haben, nicht viel, um mal eine Plauderrunde mit dem griechischen Göttervater zu veranstalten.

Es gibt übrigens auch noch einen Quercus Superior, davon aber nur 327 Flaschen, jede einzelne für € 55,00, lieferbar ab November 2018, da hört Zeus wahrscheinlich gar nicht mehr auf zu reden…..

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