Verwirrend aber schön, einzigartig, nie wiederkehrend….
Vorsicht Geheimtip…….(Pssst)
Hä? (deutsches Fragewort), wieso Nahegau, Teschke ist doch Rheinhessen?! – …..abwarten…..und außerdem „Landwein“, geht’s noch, läuft das jetzt in Werbung für Kopfschmerztabletten aus – die Pille danach?….nur Geduld….)
So, im Keller liegen nun zwölf Flaschen (was für mich brutal viel ist, möchte ich doch immer wieder Neues entdecken und bin daher und auch nicht zuletzt wegen zunehmender Kapitalbindung in den letzten Jahren grundsätzlich zum 2 Flaschen-Käufer mutiert), die 12 Flaschen hab` ich, die gehören jetzt mir, mir ganz alleine und jetzt bin ich auch – mit aller natürlichen Zurückhaltung – bereit von diesem Wein, den es so nie wieder geben wird, zu berichten:
Streit kommt in den besten Familien vor und da bilden Winzerfamilien naturgemäß keine Ausnahme. So traf es auch das Weingut von Racknitz ( Äääääääh (deutscher Ausdruck der Verwunderung), wieso jetzt von Racknitz, hier geht’s es doch um Michael Teschke?!…..einen Moment noch…).
Es kam zur Scheidung. Luise von Racknitz und Matthias Adams, die erst vor wenigen Jahren als Quereinsteiger gemeinsam das Weingut von Racknitz wiederbelebt und in der Weinwelt große Anerkennung erfahren hatten, trennten sich.
Ist natürlich deren Sache, schön ist so was nie, vor allem die Aufteilung des erwirtschafteten Besitzes mag in einer solchen Situation schon einmal zu….Gesprächsbedarf führen. Man hat von solchen Dingen schon gehört und auch das ist ganz klar nur Sache der Beteiligten (und vielleicht dem einen oder anderen Vertreter eines juristischen Berufsstandes, was die ganze Sache nicht billiger, aber ergebnisorientierter gestaltet..).
Nun gab es bei den Trennungsauseinandersetzungen doch einen Bereich, der von breiterem öffentlichem Interesse war, zumindest für die weininteressierte Öffentlichkeit.
Es ging um die Schloss Böckelheimer Toplagen „Königsfels“ und „Pfaffenberg“. Man erzählt sich, dass das Interesse beider Beteiligten an der Ernte dieser Lagen so groß war, dass zumindest für den Jahrgang eine Lösung gefunden werden musste. Diese Lösung viel so salomonisch aus, dass man es kaum glauben mag, aber auf jeden Fall eine schöne Geschichte darstellt:
Die beiden ernteten diese Lagen abwechselnd, Zeile um Zeile, und teilten so den Ertrag aus den umkämpften Lagen untereinander auf (irgendwie würde ich gerne noch anbringen, dass diese Lösung ja eigentlich Nahe-liegend war, bin aber selbst entsetzt über diesen stümperhaften Versuch und denunziere mich gerne selbst durch Anmeldung zum Wettbewerb um den schlechtesten Wortwitz des Jahres).
Soweit das, was man so hört.
Allerdings stand nun Matthias Adams zwar mit tollem Lesegut da, aber ohne jede Infrastruktur zur Weiterverarbeitung, denn das Weingut selbst verblieb ja bei Luise von Racknitz. Hier kommt dann Michael Teschke ins Spiel, ein guter Freund von Matthias Adam und immer bereit etwas verrücktes zu machen.
Michael Teschke vinifizierte das offenbar herausragende Lesegut auf dem rheinhessischen Laurenziberg. Daher darf auf den Flaschen dieses einmaligen, nie wiederkehrenden Projektes auch die Schloss Böckelheimer Lage „Königsfels“ keine Erwähnung finden und wir lesen nur „Nahegauer Landwein“ auf dem Etikett. Damit ist das ganze so etwas von einem Geheimtipp dass man es kaum glauben mag.
Mit so einer Geschichte hatte dieser Wein bei mir schon eine Menge Pluspunkte gesammelt, noch bevor ich den per definitionem unerotischen Schraubverschluss auch nur angedreht hatte. – Ich habe übrigens die Geräusche beim Öffnen einer verkorkten Flasche, vom Schneiden der Kapsel bis zum typischen „Plopp“ beim herausziehen des Korkens als Sprachmemo auf meinem Handy gespeichert und spiele das nun immer ab, wenn ich einen Drehverschluss öffnen muss. Ist aber auch keine Lösung….
Dieser Wein hätte noch viel mehr Vorschusslorbeeren ausgehalten. Eine genial-fruchtig-präzise Nase mit ganz viel Maracuja, die eine Saftigkeit ausstrahlt, dass schon vor dem ersten Schluck Mundwasser fließt (was schlecht ist, weil das den Wein natürlich verwässert). Die fast schon opulente Frucht hat aber schon in der Nase zwei ebenso intensive, wie präzise Gegenspieler, nämlich eine ganz wunderbar frische Mineralität (auch wenn ich Minerale noch nie gerochen habe, besser beschreiben kann ich es halt nicht…) und eine breite Würze, die dem ganzen auch eine gewisse Ernsthaftigkeit verleiht.
Im Mund ist dann großer Hofball angesagt. Ein toller Tanz von Frucht, Würze und Mineralität, ein Walzer zu dritt, der immer wieder neue Aspekte hervorbringt, während er sich durchaus weich um den Gaumen schlonzt. Sehr komplex, tiefgründig und dennoch verspielt, tänzelnd. Der macht richtig Spaß und gute Laune.
Leider gibt es bei diesem Wein zwei immense Probleme, die ich hier nicht verschweigen darf, schließlich muss man bei aller Begeisterung doch objektiv bleiben.
1. Das Thema Mundwasser ist sehr kritisch, denn es entwickelt sich nicht nur, wenn man an diesem Wein richt, sondern auch dann noch, wenn man ihn im Mund hat. Offenbar sendet er irgendwelche „boah-lecker“-Signale an den Körper und schon ist der Schluck im Mund verwässert. Da muss man dann natürlich direkt noch mal nachtrinken und so geht das eben weiter. Also: Trinkdruck an der Grenze des Erträglichen (aber nur an der Grenze, ist durchaus auszuhalten).
2. Große Schummelei! Auf der Flasche steht zwar 0,75l drauf, drinn sind aber nur max. 0,5l, wahrscheinlich sogar nur 0,375l. Das muss so sein, denn sonst müsste ich mir bald doch Gedanken um meine Leberwerte machen.
Der letzte Punkt relativiert natürlich den Sensationspreis von um die € 12,50.
Fazit: genialer Wein, geniale Geschichte dahinter, für mich ein „must have“